Wessumer Geschichten

 

Auf dieser Seite finden Sie ab sofort einige Geschichten aus dem Wessum der vergangenen Jahrzehnte. Es geht um die Art und Weise, wie es sich in Wessum vor 50, 80 oder 100 Jahren lebte, welche Gewohnheiten unsere Vorfahren hatten und woran sie sich am Verlauf eines jeden Jahres orientierten.

Diese Geschichten wurden bei den Küeroabenden zusammengetragen, die in Laufe vieler Jahre beim Heimatverein stattfanden. Moderator Werner Hilbring führte die Gesprächsrunden zum einen mit Wessumern, die über das Leben um die Jahrhundertwende berichteten, zum anderen ging es um die Kriegsjahre und noch später um die 50er Jahre des zurückliegenden Jahrhunderts.
Wir möchten die Ergebnisse dieser Küeroabende nun allen interessierten Lesern zur Verfügung stellen. Die Veröffentlichung ist sporadisch, der Jahreszeit oder den Ereignissen angepasst.

Viel Spaß bei der Lektüre.


Folgende Personen haben mitgewirkt:

Hermann Gehling, Hermann Hilbring, Aloys Hollekamp, Josef Hüßler, Heinrich Temming, Heinrich Gerling, Gerhard Fleer, Johann Uhling, Josef Nienhaus, Alfons Grotenhoff, Werner Elfering, Josef Beßler, Franz Schepers, Josef Nienhaus, Werner Herbers, Josef Böcker, Klara Herbers, Luise Weßling, Agnes Bütterhoff, Maria Rolving, Elisabeth Hassels-Lütkenhoff

(Alle Erzählungen wurden aus dem Gedächtnis heraus aufgeschrieben und erheben keinen Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit.)


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Ostern

 

Ostern war ein wirklicher Feiertag. Bereits um 6.00 Uhr war die erste Messe und man ging zunächst in einer Prozession dreimal um die Kirche. Dabei schlug der Pastor immer mit dem Kreuz an die Kirchentür, rief von außen und der Küster antwortete von innen, natürlich in lateinischer Sprache. Nach dem dritten Rundgang wurde schließlich die Kirchentür geöffnet und unter Orgelklang zog die Gemeinde in die Kirche ein.
Ostern wechselte man übrigens auch die Garderobe. Der Wintermantel wurde weggelassen. Das Wetter spielte dabei keine Rolle.

Osterfeuer
Ab Osternachmittag wurde Stroh für das Osterfeuer geholt. Der „Schlachtruf“ dazu lautete: „Stroh hier för’t Osterfüuer!“ Allerdings war das Stroh sehr knapp oder wurde lieber im Stall gebraucht. Dafür bekamen die Kinder dann Bohnenstroh für das Osterfeuer. Manchmal begann man schon ab Weihnachten, Holz zu sammeln. Von überall wurde Holz zusammen getragen, wo man im Winter etwas geschlagen hatte. Vieles kam auch aus Tannenwäldern, weil hier das Abfallholz selten für die sog. Busken verwendet wurde. Außerdem wurden verdorrte Kränze vom Friedhof geholt. Manchmal wurde auf dem Feuer auch eine Puppe verbrannt.
Fast jede Nachbarschaft oder Straße hatte ein eigenes Osterfeuer und alle waren bestrebt, das größte Feuer zu haben. Abends wurde das Feuer schließlich angezündet. Dabei war die ganze Nachbarschaft versammelt. Das Anzünden des Feuers war immer ein kleiner Kampf, wer es zuerst schaffte: die Älteren oder die Jüngeren. Den Kindern war es selbstverständlich am liebsten, wenn das Feuer spät angezündet wurde, damit sie im Dunkeln noch aufbleiben konnten.
Schließlich hatten die Jungen besonderen Spaß daran, die Mädchen im Gesicht schwarz zu machen.
Neben diesen Bräuchen wurden selbstverständlich auch viele Osterlieder gesungen.

Ostereier
Am Ostermorgen gingen die Kinder Ostereier suchen. Am Vorabend hatte man Osternester gebaut, damit der Osterhase darin seine Eier – meist bunt bemalt – legen konnte. Ebenso wurden Eier versteckt, wobei den Kindern das Suchen besondere Freude machte. Oft ging man zusätzlich in den Wald, um dort die Eier zu suchen, die der Osterhase verloren hatte.
Ganz wichtig war natürlich ein Wettessen an Ostereiern. Während es das ganze Jahr fast keine Eier gab, wurde Ostern alles nachgeholt. In großen Haushalten wurden die Eier in einer Schürze (Vörbinder = blaue Halbschürze) im Kessel gekocht. Es war keine Seltenheit, dass jemand 10 bis 15 Eier aß.

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Ostern
Ostern, Osterfeuer, Ostereier
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Passionszeit / Karwoche

Passionssonntag
Der Passionssonntag ist der fünfte Sonntag in der Fastenzeit, also der Sonntag vor dem Palmsonntag. Mit dem Passionssonntag wurde die Zeit des „Leidens Christi“ eröffnet.
Am Passionssonntag wurden die Kreuze in der Kirche in ein violettes Tuch eingehüllt. Das Hauptkreuz wurde schließlich am Gründonnerstag in ein weißes Tuch gehüllt. Die anderen Kreuze behielten das violette Tuch.

 

Palmsonntag
Am Palmsonntag merkte man schon, dass die Fasten so langsam zu Ende gingen. In der Kirche wurde es feierlicher. Sowohl am Palmsonntag, als auch am Gründonnerstag und am Karfreitag wurde die Passion (Leidensgeschichte) ganz gebetet.
In der Kirche gingen die Kinder mit den Palmstöcken zur Palmweihe. Die Stöcke wurden bunt geschmückt und mit Bildern behängt. Etwas Besonderes war es schon, wenn man Plätzchen, Äpfel oder Apfelsinen am Stock hatte. Nach der Palmweihe wurde der gesegnete Palm mit nach Hause genommen und hinter die Kreuze und Weihwassergefäße gesteckt. Außerdem wurde Palm gebraucht, wenn jemand versehen wurde. Darüber hinaus brachte man Palm zu Leuten, die sonst keinen gesegneten Palm bekamen. Was dann noch übrig war, wurde zum Vieh in den Stall gebracht.

 

Gründonnerstag
Gründonnerstag läuteten in der Kirche die Glocken während des Glorias. Dann verstummten sowohl die Glocken als auch die Orgel. (De Orgel geht noa Rom.) Auch zur Wandlung wurde nicht mehr geklingelt, sondern mit Holzkloppeln geschlagen. In der Kirche wurde ein Grab gebaut, eine Hostie zum Grab gebracht und der Tabernakel stand offen. Bis Ostern gab es dann keine Heilige Messe mehr.

 

Karfreitag
Am Karfreitag war bereits um 8.00 Uhr ein Gottesdienst oder auch „halbe Messe“ genannt. Dieses wurde recht spannend aufgebaut. Der Pastor lag dreimal auf dem Bauch vor dem Kreuz und anschließend wurde das Kreuz ins Grab gelegt. Am Nachmittag war eine Prozession mit dem Kreuz durch die Felder bis nach Buschoffs Linde.

Karsamstag
Am Karsamstag war morgens ein Gottesdienst mit der Weihe des Taufwassers und dem Abbrennen des Feuers. Diese Veranstaltung war jedoch nur mit Pastor und Messdienern. Die abgebrannte Asche wurde am nächsten Aschermittwoch für die Aschenkreuze verwendet.
Um 12.00 Uhr waren schließlich die Fasten offiziell zu Ende. Dann durfte auch wieder Fleisch gegessen werden.

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Passionszeit / Karwoche
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Febraur / März

 

Karneval


Öffentlichen Karneval gibt es in Wessum erst seit der Zeit nach dem Krieg, in Wüllen bereits vorher. Sonst ist es aus früheren Jahren auch nur von Ottenstein bekannt, in Wessum hatte der Karneval keine Bedeutung. Lediglich der „Krim“ feierte Karneval schon in den 30er Jahren. Der Krim ist das Gebiet der heutigen Wesheimstraße von Elfering bis Hassels. Zusätzlich feierten Wassing mit, die eigentlich zum „Saargebiet gehörten. Der Name Krim kommt von einem recht verkommenen Verbrecherviertel aus Enschede, das ebenso benannt war. Schon damals war der Karneval auf der Krim ein hoher Feiertag. Es wurde schon ein Prinz ausgeholt und es gab Kostüme. Wer dort mitfeiern wollte, musste für damalige Verhältnisse sehr viel bezahlen. Vor allem die Freunde der Mädchen, die dort wohnten, wurden besonders zur Kasse gebeten. Zum Fest gab es immer sehr viel Schnaps. Es begann schon um 16.00 Uhr und in früheren Jahren gab es um 18.00 Uhr ein Abendessen.
Später feierte man auch in anderen Nachbarschaften oder straßenweise Karneval. Dabei waren die Leute z. T. kostümiert. Die Dorfbevölkerung feierte in den Gaststätten, die Bauern auf der Tenne.

 


Bettage oder 40stündiges Gebet


Schließlich folgten die Bettage. Sie fanden genau zu Karneval, am Fastnachtssonntag, Rosenmontag und Rosendienstag statt. Diese Bettage wurden in der Kirche sehr wichtig genommen und die Priester wiesen ausdrücklich darauf hin, dass es eine schwere Sünde sei, nicht an den Bettagen teilzunehmen, sondern zum Karneval zu gehen.
An diesen drei Bettagen sollten die Gläubigen möglichst dreimal täglich zur Kirche gehen: um 6.00 Uhr die Messe, im Laufe des Tages die Betstunde und um 19.30 Uhr die tägliche Schlussandacht. Die eigentliche Betstunde fand dann jeweils gruppenweise statt: Frauen, Männer, Schulkinder etc. Viele Betstunden waren recht langweilig und man hörte Texte „höherer Theologie“. Besonders vor dem Krieg gab es noch Betstundenbücher, die vielen noch heute in schlechter Erinnerung sind. Später waren die Inhalte der Betstunden etwas interessanter. Während der Betstunden hielten immer einige Messdiener Wache. Sie mussten die ganze Zeit knien und waren froh, wenn einmal ein Lied gesungen wurde, so dass sie aufstehen konnten.  In einer Betstunde, der Vesper, wurde nur lateinisch gesungen.
Die feierliche Schlussandacht am dritten Tag um 19.00 Uhr war schließlich eine besondere Zeremonie und nicht zuletzt eine Demonstration der katholischen Kirche. Etwa 30 Messdiener und Engel – das waren Mädchen in weißen Kleidern und mit Blumensträußen – waren daran beteiligt. Es brannten überall Kerzen, es wurde viel Weihrauch verwendet und eine Prozession ging dreimal durch die Kirche. Währenddessen wurde gesungen: Dank und Ehre sei Dir, Herr Jesus, Gott und Erlöser …

 


Aschermittwoch


Am Aschermittwoch gab es in der Morgenmesse das Aschenkreuz. Es durfte im Laufe des Tages nicht abgewaschen werden.
Darüber hinaus ist Aschermittwoch seit eh und je Fast- und Abstinenztag, der früher strenger genommen wurde als Karfreitag. Man durfte nur einmal sattessen, oft gab es Kartoffeln mit Hering oder Struwen, aber alles ohne Speckfett. Einige Leute legten sich noch persönliche Opfer auf, z. B. rauchten sie nicht oder sie hörten kein Radio.

 

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Febraur / März
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Der Monat Januar

 

Neujahr

 

Am Neujahrstag wünschten sich alle ein glückseliges neues Jahr (Glück sei’s ’n Joahr),
als erstes gleich morgens nach der Messe und im Verlaufe des Tage dann überall, egal, wo man sich begegnete.
Man achtete darauf, dass man diesen Gruß als erster sagte – dann hatte man „gewonnen“.

Genau wie heute gingen auch schon früher am Neujahrstag die Kinder durch die Nachbarschaften und zu den
Verwandten, die im Dorf wohnten, um Neujahrsgrüße zu überbringen. Dabei gab es jedoch noch keine
großartigen Neujahrstüten, sondern es wurden Kleinigkeiten durch die Runde verteilt. Es gab Äpfel, Hörnchen oder anderes Gebäck, Nüsse und ganz selten schon einmal Karamellbonbons. Häufig wurden bereits eingesammelte Sachen, die man nach Hause gebracht hatte, wieder an andere verteilt.

Die Erwachsenen besuchten i. d. R. die nächsten Nachbarn. Es wurde jedoch noch kein Alkohol ausgeschenkt, sondern Kaffee und Kuchen oder eine Schinkenschnitte angeboten. Generell gab es früher nur sehr wenig Alkohol. War einmal der Anlass danach, wurde zunächst abgezählt und dann das Bier z. B. in Krügen aus der Gaststätte geholt.

Ganz bekannt waren auch die Neujahrsbriefe, die Schulkinder an ihre Eltern, Großeltern oder Paten verschickten. Diese Briefe waren gleichzeitig Dankesschreiben für die Weihnachtsgeschenke. Briefe an Paten wurden wiederum mit einem Geldgeschenk belohnt. In der Schule gab es Anleitungen, wie man diese Briefe verfasste.

 

Heilige Drei Könige

 

Das Fest der Heiligen Drei Könige am 6. Januar war zwar ein kirchlicher Feiertag, wurde jedoch nicht sonderlich streng genommen. Es wurden keine offiziellen Arbeiten verrichtet, sondern Heilige Drei Könige war eher ein Visitentag. Darüber hinaus wurde der Tag als Anlass für kleine Kinder genommen, die Krippe in der Kirche zu besuchen.

Diese Krippe war nur mit einem Kometen und den Heiligen Drei Königen geschmückt. Krippe und Weihnachtsschmuck blieben dort auch bis Maria Lichtmess (2. Februar) stehen, so lange war offiziell die Weihnachtszeit. Privat wurde der Weihnachtsbaum meistens direkt nach dem Fest der Heiligen Drei Könige abgebaut.
Sternsinger gab es früher noch nicht. Diese Tradition fand seinen Beginn um 1970 unter Pfarrer Scharmann.

 

Kokendage

 

Die Tage zwischen den Feiertagen bzw. die ersten Tage im neuen Jahr waren die so genannten „Kokendage“ für Knechte und Mägde. Bei den Bauern war diese Zeit i. d. R. recht ruhig und die Bediensteten bekamen drei Tage frei, um nach Hause zu fahren oder Verwandte zu besuchen. Am Benehmen der Bediensteten konnte man auch erkennen, ob sie zum „Koken“ gingen oder davon kamen. Bei diesen Kokendagen wechselten sich die Knechte und Mägde allerdings ab, damit es personell auf dem Hof nicht zu Engpässen kam. Teilweise wurden zu diesen Tagen auch Bedienstete ausgetauscht. Darüber hinaus gab es keinen Urlaub.

Visitentage

 

Wenn das Personal seine Kokendage beendet hatte, machten die Bauern ihre offiziellen Visitentage, um Verwandte zu besuchen. Man war unterwegs mit Gick, Kutsche (Unterschied nur in der Größe) oder im Landauer (offene Kutsche). (Gick hatte zwei Räder, Kutsche und Landauer 4 Räder.)
Schon zu Mittag traf man bei den Verwandten ein und nach dem Kaffee machte man sich wieder auf den Heimweg. Besonders reizvoll war es für Knechte oder ältere Kinder auf dem Hof die Pferde wieder einzuspannen, weil es dafür oft ein großzügiges Trinkgeld gab. Für die Zeit des Aufenthaltes standen die Pferde übrigens im Stall oder auf der Tenne.

Da die Wege oft lange dauerten, nahmen die Bauern in den Kutschen ein „Füerstöwweken“ (Unteroffizier) mit, um darauf die Füße abzustellen und sich zu wärmen Im Füerstöwweken  waren glühende Brikett, die gut angebrannt waren, damit kein Rauch entstand. Trotzdem entstand immer ein unangenehmer Geruch, wenn die langen Kleider angehoben wurden.

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Der Monat Januar
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