Wessumer Geschichten

 

Auf dieser Seite finden Sie ab sofort einige Geschichten aus dem Wessum der vergangenen Jahrzehnte. Es geht um die Art und Weise, wie es sich in Wessum vor 50, 80 oder 100 Jahren lebte, welche Gewohnheiten unsere Vorfahren hatten und woran sie sich am Verlauf eines jeden Jahres orientierten.

Diese Geschichten wurden bei den Küeroabenden zusammengetragen, die in Laufe vieler Jahre beim Heimatverein stattfanden. Moderator Werner Hilbring führte die Gesprächsrunden zum einen mit Wessumern, die über das Leben um die Jahrhundertwende berichteten, zum anderen ging es um die Kriegsjahre und noch später um die 50er Jahre des zurückliegenden Jahrhunderts.
Wir möchten die Ergebnisse dieser Küeroabende nun allen interessierten Lesern zur Verfügung stellen. Die Veröffentlichung ist sporadisch, der Jahreszeit oder den Ereignissen angepasst.


Viel Spaß bei der Lektüre.


Folgende Personen haben mitgewirkt:

Hermann Gehling, Hermann Hilbring, Aloys Hollekamp, Josef Hüßler, Heinrich Temming, Heinrich Gerling, Gerhard Fleer, Johann Uhling, Josef Nienhaus, Alfons Grotenhoff, Werner Elfering, Josef Beßler, Franz Schepers, Josef Nienhaus, Werner Herbers, Josef Böcker, Klara Herbers, Luise Weßling, Agnes Bütterhoff, Maria Rolving, Elisabeth Hassels-Lütkenhoff

(Alle Erzählungen wurden aus dem Gedächtnis heraus aufgeschrieben und erheben keinen Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit.)

Bildquelle Heimatverein Wessum e.V.

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Erntezeit in den Jahren 1935 bis 1950

 

Kartoffelernte
Die Kartoffelernte war immer ein großes Ereignis, an das sich i. d. R. alle Schüler und Jugendlichen des Dorfes beteiligten. In den Kriegsjahren wurde unter den Kindern eine genaue Aufteilung vorgenommen, wer bei welchem Bauern helfen musste. Das war noch längst nicht einerlei. Zum einen wurde dort geholfen, wo die Männer im Krieg waren, zum anderen konnten die Bauern an der Schule nach Hilfskräften fragen. Für die Kinder war es meist eine lukrative Sache, bei der man sich bares Geld verdienen konnte. Es gab unterschiedlich hohe „Löhne“. In guten Jahren konnte man sich am Nachmittag 1,00 DM verdienen. Manchmal gab es für den Nachmittag von 13.00 Uhr bis 19.00 Uhr auch nur 0,50 DM. Oft war es auch Nachbarschafthilfe oder es wurde mit dem Pachtgeld verrechnet. Auf dem Feld gab es dann häufig Butterbrote, die vielleicht besser, auf jeden Fall aber anders als zu Hause schmeckten. Manchmal gab es sogar schon gekauften Aufschnitt und gekauftes Weißbrot. (Das Mehl für die Brote  brachte man vorher zum Bäcker.) So kam die Bäuerin oder Magd mit einer Milchkanne voll Kaffee und einem (Weiden-)korb voller Butterbrote zum Feld. Mancherorts wurden die Brote zugeteilt, aber meistens konnte man so viel essen, wie man wollte. Abends gab es oft Michsuppe mit einem Hering.
Schließlich waren die Abende am interessantesten. Es wurden Spiele veranstaltet, z. B. Verstecken, Sterne gucken oder Stroh ziehen. Beim Sterne gucken oder Stroh ziehen ging es letztlich darum, jemanden, der seinen Blick nach oben richtete, nass zu machen. Später war die Stimmung dann immer ganz gut und vorangegangene Schlägereien oder Streitigkeiten, die vornehmlich dann auftraten, wenn Jugendliche aus verschiedenen Orten, z. B. Wessum und Ottenstein, zusammentrafen, waren schnell vergessen.
Aber die Kartoffelernte war nicht nur ein vergnügliches Zusammensein. Es musste zunächst gearbeitet werden. Bevor man die Kartoffeln erntete, war der Acker gerodet oder gepflügt worden. Dann wurde das Feld in verschiedenen Fächer aufgeteilt. Diese kennzeichnete man mit Zweigen oder Stöcken. Manchmal versuchte man heimlich sie zu verstellen, damit das eigene „Arbeitsfeld“ ein wenig kleiner wurde. Hinter dem Pflug ging es schließlich ans „Errappel garren“. Die Kartoffeln wurden in Weiden- oder Drahtkörben gesammelt und diese wurden meist von älteren bzw. kräftigeren Arbeitern an passenden Stellen auf einen Haufen oder auf  bereit gestellten Karrern geschüttet. Später wurden sie dort abgeholt.
Darauf folgte, meisten im Halbdunkeln, das Nachsuchen. Das bereits abgeerntete Feld wurde mit der Egge durchgezogen und dann musste man nochmals nach Kartoffeln suchen. Diese Arbeit war nicht sehr angenehm und wenn der Bauer es nicht bemerkte, wurden die Kartoffeln mit den Holzschuhen tief in die Erde getreten. Die gleiche Arbeit erfolgte nochmals, wenn der Acker später wieder neu bestellt wurde. Das war dann noch aufwendiger und mühsamer. Auf einigen Feldern wurde dabei gleich die Gelegenheit genutzt Unkraut, z. B. Quecke, zu beseitigen. Wenn die Arbeit auf dem Feld beendet war, wurde das Kartoffellaub, das auf den Äckern an mehreren Stellen aufgehäuft worden war, angezündet. Die brennenden Feuer gaben dann ein wunderbares Bild am Abendhimmel. Eine Delikatesse waren abends Kartoffeln, die man in die glühende Asche legte und anschließend sofort verzehrte.

Wenn die Arbeit auf den Feldern beendet war, wurden die Kartoffeln eingeholt, zum Trocknen in Scheunen gebracht und ausgesucht.  Mit einer unwahrscheinlich schnellen  Geschwindigkeit wurden sie auf Qualität geprüft und sortiert. Dieses war meistens Arbeit von Frauen oder heranwachsenden Kindern, die mit einer Sackschürze (griese Schloowe) an die Arbeit gingen. Einige waren damit tagelang bei verschiedenen Bauern beschäftigt. Besondere Sorgfalt galt den Kartoffeln, die im nächsten Jahr wieder für den Anbau genutzt wurden (Pötters). Diese Aufgabe kam auch nur bestimmten Frauen zu. Anschließend wurden die Kartoffeln in windgeschützten, hoch und trocken gelegenen Löchern gelagert (oft an Wällen). Die Löcher wurden mit Stroh abgedeckt. So floss einerseits das Regenwasser ab, andererseits kam es zu einer Luftzirkulation. Je nach Witterung wurde auch die Sand- oder Sägemehlschicht erhöht.

Als später die Kartoffeln eingekellert wurden, war dieses ebenfalls ein großes Ereignis. Wer keinen Keller hatte, musste sie frostsicher verpacken, was schon ein großer Aufwand war. Wenn nötig, wurden Vorrichtungen gezimmert und aus Brettern und Jutesäcken ein entsprechender Platz hergestellt.

In schlechten Jahren mussten die Bauern oft Kartoffeln abliefern und nur zeitweise konnten sie verkauft werden. Ebenso kam es im Krieg zu „Hamsterzügen“ für nur wenige Kartoffeln. Es war schon sehr traurig, dass Frauen aus dem Ruhrgebiet kamen und abgeerntete Felder nochmals absuchten, um ein paar Kartoffeln zu finden. Dabei kam es sogar vor, dass Pflanzkartoffeln wieder ausgebuddelt wurden. Z. T. wurde die Situation aber auch von den hiesigen Bauern ausgenutzt. Diese verlangten für nur wenige Kartoffeln Gegenleistungen in Form von Aussteuer, z. B. Wäsche, Porzellan oder Glaswaren. In den 50er Jahren wurden schon die ersten Kartoffeln verkauft. Dazu musste man verschiedenen Sorten anbieten können. Da die Bauern aber i. d. R. nur eine Sorte hatten, wurden gleiche Kartoffeln nur unterschiedlich deklariert. Eine Trennung erfolgte nur nach Esskartoffeln und Futter- oder Schweinekartoffeln (beschädigte oder kleine). Erst nach und nach kamen wirklich verschiedene Angebote auf den Markt. Als der Verkauf im Ruhrgebiet anlief, konnten schon Verkaufspreise von 5,00 DM je Zentner erbracht werden. Für private Zwecke unterschied man des Weiteren Pötters (Pflanzkartoffeln) und Riewers (dicke Kartoffeln für Reibekuchen).

Runkelernte
Alle Wessumer, die Vieh hatten, pflanzten Runkeln an. So wurden neben den Kartoffeln auch Runkeln geerntet. Die Ernte begann später und zog sich über mehrere Wochen hin. Außerdem war es eine sehr aufwendige Arbeit. Dabei wurden die Runkeln von Hand gezogen. Man verzichtete auf Mistgaben, damit die Frucht nicht beschädigt wurde. Dann begann mit dem „Affschwucken“ eine Arbeit, die vornehmlich von Kleinbauern vorgenommen wurde. Dabei wurden die Runkeln durch eine ruckartige Bewegung leicht geworfen, um so das Grünzeug von der Frucht zu trennen. Die Blätter wurden als Futter für Kühe oder Schweine verwendet. Ansonsten wurden die Runkeln gezogen und zunächst in Reihen gelegt. Dann wurde das Laub mit einem gesonderten Spaten (eckige Form) abgestochen. Anschließend wurden die Runkeln auf dem Acker in Reihen abgelegt, damit ein Fahrzeug zum Sammeln hindurch fahren konnte. Dabei warf man sie von hinten auf eine Karre. Später wurden die Runkeln in einem Runkelloch gelagert, wobei sie kunstvoll geschichtet wurden. Zuletzt wurden die Runkeln entweder mit Stroh abgedeckt oder mit einer Schicht aus Kartoffellaub, Laub, Stroh und Erde. Bevor sie abgedeckt wurden, war es jedoch gut, wenn sie durch Regen ein wenig feucht wurden. Damit war gewährleistet, dass sie sich bis ins Frühjahr hielten. Für die Fütterung der Tiere holte man – meistens am Wochenende – eine Wochenration mit Pferd und Karre oder mit einer Schiebkarre nach Hause. Geöffnet wurden die Runkellöcher immer von Westen oder Süden her, da von Norden oder Osten häufig eisigere Winde oder Frost drohten. Waren die Löcher schließlich ganz geleert, wurden sie von Kindern gern als Spielplatz benutzt.
Einige Runkeln wurden für die Hausapotheke verwendet. Dabei wurden die Runkeln ausgehöhlt und mit Kandis gefüllt. Der Zucker löste sich schließlich auf und aus dieser Kombination wurde Hustensaft.
Spaßeshalber wurden Runkeln auch ausgehöhlt, um daraus Fackeln zu machen. Dabei fanden sie allerdings erst sehr viel später und nur gelegentlich bei Umzügen Verwendung.

Getreideernte
In Wessum betrieben viele eine Landwirtschaft – einige mehr, andere weniger. Somit wurde auch viel Getreide angebaut. Es gab Sommer- und Wintergerste, Roggen, Weizen, Hafer und vereinzelt Buchweizen. Früher wurde das Getreide per Hand mit der Sense (Bausät) geschnitten. Dieses war oft eine schwere Arbeit, wenn durch Witterungseinfluss, Regen und Wind, das Getreide am Boden lag. Die Männer standen oft tagelang auf den Feldern und es war keine Seltenheit, dass fünf bis sechs Männer hintereinander mähten. Auf zwei Mäher kam meistens eine Frau, die die gemähten Garben binden musste. Das Binden war wiederum Frauenarbeit. Da oft Unkraut im Getreide war, Brennnesseln oder Disteln, trugen die Frauen zum Binden einen Armschutz, sog. Mauen. Das waren halbe Ärmel, die vom Handgelenk bis zum Ellenbogen reichten und mit Bändern festgemacht wurden. Als erstes wurde Gerste gemäht. Wintergerste war schon im Herbst des Vorjahres gesät worden, Sommergerste im Frühjahr. Da Gerste kein langes Stroh hat, wurden die Garben mit einem Strohseil gebunden. Damit das Korn – wenn es noch tagelang auf dem Feld zum Trocknen stand – nicht nass wurde, wurden „Puppen“ gebunden. Dazu wurde der obere Teil mit der Frucht umgeschlagen und das Regenwasser konnte besser ablaufen. Jede „Puppe“ wurde schließlich einzeln abgestellt.
Als nächstes wurde Roggen gemäht. Die Vorgehensweise war im Grunde wie bei der Gerste, doch weil das Stroh länger war, wurde hier mit zwei Seilen gebunden. Ein Seil, das aus mehreren Strohhalmen gebunden wurde, befand sich im unteren Teil, das Kopfseil im oberen Teil wurde aus der Garbe genommen. Dazu wiederum wurden Strohhalme geteilt, gekreuzt und gebunden. Richtiges Binden wollte schon gekonnt sein. Damit auch gewährleistet war, dass später nicht alles auseinanderfiel, wurden die fertig gebundenen Garben schließlich zu viert zusammengestellt und diese wiederum mit einem Seil am Kopfende zusammengebunden. Man legte sogar großen Wert darauf, dass die Garben in geraden Reihen über dem Feld standen. Zwischen den Reihen wurde so viel Platz gelassen, dass man zum Aufladen mit einem Fuhrwerk hindurch fahren konnte.
Nach der Roggenernte kam dann die Weizenernte. Dieses Getreide gab es jedoch weniger, da die Bodenbeschaffenheit dafür sehr gut sein musste. Als letztes wurde Hafer gemäht. Die Arbeitsweise bei Weizen und Hafer war gleich. Es wurde mit einem Seil gebunden. Für das Aufstellen bildete man Gassen. Vier bis acht Garben wurden paarweise zusammengestellt, aber man befestigte es nicht mit einem Seil.
Jede Getreideart musste eine bestimmte Zeit zum Trocknen auf dem Feld bleiben. Hafer sollte siebenmal im Tau gestanden haben. Das Wetter musste dann natürlich gut sein. Wenn in langen Regenperioden die Frucht schlecht wurde und zu Keinem anfing, sagte man: „Ett löpp ut.“
Wenn die Trockenzeit verstrichen war, wurde das Getreide mit Pferd und Wagen (Ledderwagen) eingefahren. Entweder brachte man es sofort nach Hause oder zum Drescher. Schon das Aufladen der Garben erforderte ein besonderes Geschick. Häufig wurde die Arbeit von Frauen verrichtet, doch wenn das Hochheben zu anstrengend war, wurde es Männersache. Man achtete darauf, dass das Fuder gerade gepackt war und die schichtweise gestapelten Garben bei schlechten Wegeverhältnissen ineinander hakten und nicht umkippten. Wenn das Fuder die richtige Höhe erreicht hatte, wurde es mit dem „Wessboom“ (gerade gewachsenes Holz) befestigt. Dieses Holz hatte vorne eine Kerbe, an das eine Kette, die am Wagen befestigt war, geschlungen wurde. Am hinteren überstehenden Ende kam das Wagenseil (Hanfseil), das mit einem „Kontroll“ oder Holzwickel fest angezogen und schließlich am Wagen verknotet wurde. Zu Hause angekommen, wurde das Getreide entweder auf dem Hausboden, in der Scheune oder als Miete (Fime) gelagert. Auch hier erforderte das Packen eine besondere Kunst und es gab viele Männer, die bei mehreren Bauern diese Fime packten. Wichtig war, dass nicht so gepackt wurde, dass das Wasser nach innen lief. Manchmal wurde deshalb in der Mitte Holz (Wessboom) aufgestellt, das als Abschluss mit einem Wagenring befestigt wurde.

Für Großmengen gab es in Wessum zwei Dreschstellen: Säcker und Kappelhoff (Terröken). Dort herrschte dann auch Hochbetrieb. Die Dreschstelle von Kappelhoff war am Mühlenweg (Bonatos Weide). Es kam vor, dass die Fuder von Frankemölle bis zur Hörne (Weg zwischen den Grundstücken Dennemann-Brüning und Hassels) bis zur Wiese von Alois Hollekamp standen. Es wurde bis spät in den Abend gedroschen und morgens ging es rechtzeitig weiter. Bei dieser Arbeit wurden sehr viele Leute gebraucht und damit war Nachbarschaftshilfe angesagt. Einer lud das Fuder ab, einer nahm es auf dem Drescher an, einer schnitt die Seile auf und legte die Garben in den Drescher, einer wechselte die Säcke beim Korn und einer beim Stroh. Gleichzeitig wurde das Stroh wieder auf einem anderen Wagen (Schöwe) aufgeladen und das Korn kam ebenfalls in Jutesäcken darauf. Der Drescher selbst wurde mit einem schweren Lanzbulldagg in Betrieb gesetzt. Relativ früh gab es auch schon einen elektrisch betriebenen Drescher.

Wenn das Dreschen vorbei war, lagen an den Dreschstellen große Kaffhaufen. Diese wurden erst später im Herbst abgeholt und zum Abdecken von Runkeln, Kartoffeln und Möhren verwendet. Für die Kinder war die Dreschstelle im Winter natürlich ein beliebter Platz für „Voggelklipp“. Von der Dreschstelle, die Kappelhoff am Mühlenweg hatte, zog der Drescher weg, um privat zu dreschen. Die erste Adresse war immer bei Nienhaus (Schulten). Säcker hatte nur einen festen Dreschstand. Wenn die Wegstrecken zu den Bauern schlecht waren, mussten Pferde vor den Drescher gespannt werden, um ihn in Bewegung zu setzten. Bei den Bauern wurde der Drescher an der Scheune oder direkt vor der Giebeltür aufgestellt. Manchmal wurden Dachziegel abgedeckt, um die Garben auf den Drescher zu befördern. Auch hier war wieder Nachbarschaftshilfe erforderlich. Männer, die auf dem Dachboden die Garben nach unten zum Dreschen reichten, hatten oft die Hosenbeine zugebunden, weil unter dem letzten Getreide oft Mäuse oder Ratten zum Vorschein kamen. Das gedroschene Korn wurde entweder in Jutesäcken gelagert oder mit einer Leitung direkt auf den Saatboden geblasen. Das zurückgebliebene Kaff wurde zum Füttern verwendet. Besonders begehrt war Haferkaff. Der „Kaffbönn“ war eine Vorrichtung über dem Kuhstall.

Wenn das Getreide geerntet war, wurden die Felder abgeräumt. Mit einer großen Harke oder einem Rechen wurde das Feld sauber abgezogen und abgesucht, ob noch Ähren zu finden waren. Schließlich konnte alles gepflügt und neu bestellt werden.

Apfelernte
Geerntet wurden im Herbst außerdem noch Äpfel. Dabei ging man ebenfalls zu den Bauern zum Helfen. Apfelbäume, die am Straßenrand standen, unterlagen der Verwaltung des Dorfpolizisten. Die Bäume wurden zur Erntezeit an Interessenten verkauft. Einige Äpfel wurden, ähnlich wie Kartoffeln, in Löchern aufbewahrt, doch die Qualität ließ dann sehr zu wünschen übrig. Eine bessere Art sie aufzubewahren war in Getreide oder Stroh. Des Weiteren gab es Holzschränke mit Holzrosten.

Möhrenernte
Möhren wurden ebenfalls eingekellert oder in Mieten (Wottellöcker) aufbewahrt. Dabei verwendete man Stückwurzeln, die vorher jedoch so lange wie möglich im Garten bleiben, meist bis Allerheiligen.

Einmachen
Abgesehen von der Ernte von Kartoffeln, Runkeln, Möhren und Äpfeln wurde nur noch Sauerkraut, Weißkohl und Böhnchen (Fitzebeohnen) eingemacht. Das Einmachen von Sauerkraut bedurfte stets einer besonderen Fähigkeit. Diese Arbeit wurde i. d. R. von Frauen verrichtet, die mit sauberer Schürze (blau oder blaugestreifter Vörbinder) an die Arbeit gingen. Benutzt wurde dazu ein besonderes „Kabusmesser“, das häufig unter den Nachbarn und Bekannten ausgeliehen wurde. Zunächst wurden die welken Blätter von den Kohlköpfen entfernt. Dann legte man die sauberen Köpfe in eine Wanne. Schließlich wurden sie nacheinander in dünne Streifen geschnitten. Die Schnittstärke war dabei vom Messer vorgegeben. Später wurde diese Arbeit mit der „Scharbe“ verrichtet. Dieses Gerät war ein Brett mit einem Messer worüber ein Schlitten geführt wurde, auf dem der Kohlkopf festgehalten wurde. Dieses war schon eine große Arbeitserleichterung.
Zum Aufbewahren verwendete man entweder Holzfässer oder Steintöpfe. Diese wurden im Keller oder einem anderen dunklen Raum abgestellt. Man füllte also den geschnittenen Kohl schichtweise in diese Fässer und stampfte es so lange fest, bis Wasser kam. In den Steintöpfen stampfte man mit der Hand, in den größeren Holzfässern mit den Füßen Dazu wurden neue Holzschuhe angezogen. Man stampfte nicht den ganzen Inhalt auf einmal, sondern lagenweise, wobei zwischendurch immer mit Salz gewürzt wurde. Schließlich wurde alles mit einem sauberen Tuch und dann mit einem passenden Holzdeckel abgedeckt und mit einem Findling beschwert.

Speiseplan
Mit dem eingemachten Obst und Gemüse war das Essen für mehrere Monate gesichert. Oft gab es an bestimmten Wochentagen dasselbe Gemüse. Selbstverständlich wurde alles mit Fleisch und Wurst aus eigener Hausschlachtung zubereitet (Speck, Mettwurst, Rippchen, Bauchspeck). Mittags wurde meistens zu viel gekocht, damit man abends wieder etwas aufwärmen konnte. Des Weiteren kam Essen in den „Henkelmann“ oder in das „Ättendüppken“.

Erntedank
Ein Erntedankfest ist erstmals aus den 30er Jahren bekannt. Mit einem geschmücktem Wagen wurde ein Umzug durch das Dorf gemacht. Dieses geschah auf Befehl des Reichsbauernführers. In den Kriegsjahren gab es dann kein Erntedankfest und erst später wurde es, zunächst unregelmäßig, ab den 60er Jahren wieder permanent eingeführt.
Nachbarschaften oder Vereine feierten das Erntedankfest oft auf Bauerntennen oder ganz vereinzelt in Gaststätten.
In der Kirche war an diesem Tag alles auf Erntedank abgestimmt. Der Altar war mit Früchten aus Feld und Garten geschmückt. Verantwortlich dafür war i. d. R. die Landbevölkerung.

 

 

 

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Erntezeit in den Jahren 1935 bis 1950
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Familiengründung mit Hochzeit – Schwangerschaft – Geburt – Taufe

 

Hochzeit

Der Schritt in das Eheleben mit Heirat, Kinder bekommen und Familiengründung war schon früher ein großer und wichtiger Punkt. Es bedurfte eine gründliche Vorbereitung und es gab – neben den Eheleuten – natürlich viele Beteiligte mit einflussreichen Rollen.

 

Selbstverständlich war bei den Vorbereitungen zur Hochzeit der kirchliche Einfluss von größter Wichtigkeit. So hatten die künftigen Brautleute einige Wochen oder Monate vor der Trauung einen Brautkurs zu absolvieren. Dieser Kurs war in der Regel im Dorf (nur gelegentlich auswärts), wurde halbjährlich angeboten und fand an einem Wochenende statt. An diesem Wochenende erfuhr man, i. d. R. vom Pastor, wie man sich als Eheleute zu verhalten habe. Es ging um Rechte und Pflichten in der Ehe, in der Familie, wann die Ehe „vollzogen“ sei, aber auch um Fragen rund um die Körperhygiene.

 

Auf jeden Fall mussten die angehenden Brautleute eine „Generalbeichte“ ablegen. Dieses war eine Ergänzung zur normalen Beichte und es kam alles zur Sprache, „was einem besonders leid tat“. Eine Generalbeichte war eine Beichte von doppeltem Wert. Hatte man bereits früher eine Generalbeichte abgelegt, z. B. bei einer Gemeindemission, musste dieses unbedingt erwähnt werden.

 

Die standesamtliche Trauung hatte damals keine große Bedeutung. Sie war oft nur wenige Tage vor der kirchlichen Trauung. Erst später, als steuerliche Gründe wichtig erschienen, war die Zeitspanne zwischen Standesamt und Kirche länger. Während beim Standesamt auch nur die Standesbeamten Trauzeugen waren, galten bei der kirchlichen Trauung andere Regeln. Die Trauzeugen mussten ledig sein, zunächst waren die Geschwister an der Reihe und dann ging es in „grader Linie“ weiter. Für die kirchliche Zeremonie durften allerdings nur die männlichen Trauzeugen unterschreiben, nicht die Frauen. Die Trauzeuginnen hatten den Bonus, dass sie den Stoff für ihre Kleider von der Braut bekamen.

 

Kirchliche Hochzeiten waren meistens in der Woche – oft dienstags – in der Schulmesse. Höchst selten gab es dafür eine separate Messe. Nach der Messe gingen die Brautleute häufig zunächst mit den Eltern und Trauzeugen in eine Gaststätte zum Kaffeetrinken, die übrigen Gäste gingen direkt dorthin, wo gefeiert wurde. Gefeiert wurde an den Elternhäusern, auf Tennen oder in Zelten. Die Hochzeitsfeier dauerte meistens zwei Tage. Der zweite Tag war den Helfern (i. d. R. Nachbarn) des ersten Tages vorbehalten.

 

Ein Grund, weshalb zum Wochenbeginn geheiratet wurde, mag darin liegen, dass es freitags untersagt war, Fleisch zu essen. Das passte natürlich mit dem üppigen Hochzeitsessen nicht zusammen.

 

 

Bis in die Kriegsjahre hinein war die Braut in schwarz gekleidet, erst danach trug die Braut ein weißes Kleid. Wer hingegen heiraten „musste“, durfte wiederum kein Weiß tragen, sondern Schwarz. Auch wer zum zweiten Mal heiratete, trug Schwarz. Wenn die Braut schwanger war, durfte das Paar auch nicht vor den Hochaltar treten, sondern stand vor dem Seitenaltar. Manchmal wurde ihnen sogar die Kirche verweigert und die Brautleute mussten auf eine Kapelle oder ein Kloster ausweichen.

 

 

Schwangerschaft

Es war selbstverständlich, dass die Frau nach der Hochzeit sofort schwanger wurde. Dieses war Bedingung, denn die Eheschließung musste „vollzogen“ sein, ansonsten hatte man sich versündigt. Während der Schwangerschaft hatte man besondere Regeln zu beachten, z. B. durfte man nicht beim Einmachen helfen. Vorsorgeuntersuchungen gab es nicht.

 

Natürlich gab es keine Verhütungsmittel. Es ist dennoch bekannt, dass versucht wurde, ungewollte Schwangerschaften abzutreiben. Dieses probierte man mit Tabakwasser oder viel schmerzhafter mit Hilfe eines Hakens oder per Hand.

 

 

Geburt

Zur Geburt begab die Frau sich meistens nicht in ein Krankenhaus. Entbunden wurde zu Hause unter Hilfe einer Hebamme. Häufig kam auch der nächste Nachbar zur Hilfe. Die Hebamme wurde zuvor von den Männern per Kutsche oder mit dem Fahrrad abgeholt. Nur selten war es nötig, dass ein Arzt herbeigeholt werden musste. Die Ehemänner waren beim eigentlichen Geburtsvorgang dann nicht dabei. Wenn schon Kinder im Haus waren, durften diese die Hebamme nicht sehen.

 

Nach der Geburt musste die junge Mutter wieder aufgepäppelt werden. Sie blieb für einige Tage im Bett und wurde gut mit Essen versorgt. Es gab Speck, Bierpapp und Dunkelbier. Auch die Hebamme versorgte Mutter und Kind in den ersten neun bis zehn Tagen. Die Kinder wurden bis zu zwei Jahren gestillt. Nur in Ausnahmefällen gab es Milch mit Haferflocken. Diese wurde durchgesiebt und dann in ein Fläschchen gefüllt. Wenn die Mutter nicht stillen konnte, wurden Ammen hinzugeholt. Es ist bekannt, dass ein Säugling ein ganzes Jahr bei der Amme war, nachdem die Mutter im Wochenbett gestorben war.

 

 

Taufe

Die Taufe wurde sehr schnell nach der Geburt vorgenommen, oft schon am dritten Tag. Für den Fall, dass das Kind sterben würde, gab es eine Nottaufe, die von Laien durchgeführt wurde. Wenn das Kind dann doch überlebte, wurde die Taufe durch einen Geistlichen nachgeholt.

 

Selbstverständlich gab es auch für die Patenschaft feste Regularien. Bei einem neugeborenen Kind war der/die erste Pate/in  (rechte Pätt) väterlicherseits und der/ die zweite Pate/in mütterlicherseits. Rechte Pätt bei einem Jungen war natürlich ein Mann, bei einem Mädchen eine Frau. Das Patenpaar bildeten jeweils ein Mann und eine Frau. Eine Besonderheit gab es bei den Patenschaften bei Köttern, die in einer „Lieftucht“ wohnten. In diesen Familien war der Eigentümer der Lieftucht der Pate des erstgeborenen Kindes.

Bei der Taufe selbst hatte der nächste Nachbar das Kind auf dem Arm. Die Mutter war schließlich in den meisten Fällen im Wochenbett. Nach der kirchlichen Zeremonie wurde in einer Gaststätte oder auch zu Hause ein Fest gefeiert. Ganz früher gab es Bierpapp, später Möhren-, Sauerkraut- oder Grünkohleintopf und schließlich Braten mit Rotkohl. Fast immer endete die Taufe mit einem großen Saufgelage.

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Familiengründung mit Hochzeit – Schwangerschaft – Geburt – Taufe
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Aussteuer und Heiratsvorbereitungen

 

Mit der „Aussteuer“ beschäftigten sich die jungen Mädchen schon sehr früh. Bereits im Alter von 14 bis 15 Jahren, wenn man aus der Schule kam, fing man an zu sammeln. Das war i. d. R. sehr viel früher, als die Mädchen überhaupt einen Freier hatten.

 

Ein Großteil der Aussteuer machte die Wäsche aus. Gesammelt wurde alles: Bettwäsche, Tischwäsche, Unterwäsche (wurde abgezählt, aber zum Zählen versteckt), ein Dutzend Nesselhemden, Unterhemden mit Ärmeln und Knöpfen (extra zum Stillen), Taschentücher, Socken, Paradekissen mit Monogramm, schmale Streifen als Überschlagslaken, Tagesdecken, Steppdecken, keine Federbetten (die gab es erst kurz vor der Hochzeit), auch Nachthemden, Schürzen oder Spüllappen.

 

Die Aussteuer musste schon etwas hergeben und so kam nicht selten eine „Wittnejster“ zu den Bauern, die die Aussteuer nähte. Häufig wurde altes Leinen verwendet. Schließlich musste die Wäsche ein Leben lang halten und es gab – zumindest unmittelbar nach der Hochzeit – nichts Neues. Die Textilien, Tisch- oder Bettwäsche waren auch keiner Mode ausgesetzt. Das Beste wurde geschont und blieb oft bis zum Lebensende im Schrank. Ganze Leinenballen wurden häufig gar nicht genutzt. Dabei musste man allerdings aufpassen, denn oft waren die Schlafzimmer Feuchtigkeit ausgesetzt und die Wäsche konnte Schimmelpilze ansetzen.

 

Vieles wurde allerdings auch selbst von den Mädchen genäht, etwa Schürzen, Spüllappen oder Nachthemden. Im Alter von etwa zehn Jahren besuchten sie schon eine Nähschule „bei den Schwestern“ (Nonnen). Erst sehr viel später gab es eine Handarbeitsschule. Man konnte auch freiwillig eine Hauswirtschaftsschule besuchen. Besonders beliebt war übrigens die „Winterschule“.

 

Insgesamt wurden früher sehr viele Handarbeiten gemacht. Es wurde genäht, gestickt oder auch gewebt, z. B. Tischdecken, Kissen, Schürzen oder Überhandtücher. Vieles wurde mit einem Monogramm versehen. Abends hatten die Mädchen relativ viel Zeit und Ruhe für diese Tätigkeiten. Reparaturarbeiten, wie Flicken oder Stopfen waren eine Selbstverständlichkeit.

Schließlich wurde die Aussteuer in große (Aussteuer-)Kisten, Truhen oder Koffer gepackt. Wenn sie mit der Hochzeit in den Kleider- bzw. Wäscheschrank kam, wurde oft die Hilfe von anderen Frauen hinzugeholt, die beim Packen halfen. Die Wäsche musste ordentlich verpackt sein, musste sehr viel hergeben und wurde somit dekorativ verstaut. Manchmal verwendete man Füllpappe, damit die Schränke noch voller aussahen. Am Ende wurde die Wäsche mit Zierbändern und Schleifen bespannt. Schließlich wurden am Hochzeitstag selbst die Schränke von den Gästen inspiziert und die Wäsche abgezählt, ob alles genug vorhanden war.

Kinderwäsche war grundsätzlich von der Aussteuer ausgeschlossen. Sie wurde nicht vorher angefertigt oder gekauft. Es gab sie erst später von den Brauteltern. Unmittelbar vor der Geburt wurden erste Vorbereitungen getroffen.

Zur Aussteuer gehörten aber ebenso ein Füerstöwweken, ein Melkbuch und eine Bettpfanne. Schließlich sollten es die jungen Frauen gut haben und Tanten, die auf einem Hof lebten, gaben ihre Utensilien nicht her.

 

Bei der Heirat musste alles vorhanden sein. Ein Anlass für Geschenke war immer die Verlobung. Dann sagte man, was noch fehlt oder was man gerne möchte, etwa bestes Porzellan, Besteck, Sammeltassen, aber auch Nachttischlampen, Bilder und Kreuze. Das beste Besteck oder Porzellan war oft nur zum „Anschauen“. Zur Hochzeit musste alles komplett sein. Hochzeit war in dieser Hinsicht ein „Tag der offenen Tür“.

 

Zur Mitgift gehörten ebenfalls Möbel. An erster Stelle stand das Schlafzimmer, danach Küche, evtl. Tische und Stühle, manchmal auch das Wohnzimmer. Dieses war aber nicht überall Brauch oder ein Geschenk der Brauteltern. Das Holz für die Möbel kam bei den Bauern aus dem eigenen Wald und war vorher lange gelagert worden. (Wenn die Eltern einer Heirat nicht zustimmten, wurde manchmal gesagt: Datt Holt is noch nich gutt. Komm in’n paar Joahr ess wär.)

Für die Brauteltern war die Mitgift manchmal ein großer finanzieller Aufwand. Die Töchter hatten nicht immer eine Ausbildung oder gearbeitet und wenn mehrere Töchter (weg-) heirateten, bedeutete das für die Eltern auch schon mal Armut.

 

Wenn die Töchter auch keine Ausbildung hatten, so war es üblich, dass sie „Küche lernten“. Oft besuchten sie dann für einige Monate (i. d. R. 6 bis 12 Monate) die Küche im Krankenhaus. Dieses war jedoch nicht kostenlos. Manchmal gingen die Mädchen auch in Großküchen oder Privathaushalte. In Vechta gab es schon recht früh eine Landfrauenschule mit einer Ober- und einer Unterklasse. In den Einrichtungen war häufig geschultes Personal. Es wurde alles gelehrt: Kochen, Einmachen und Gartenarbeit.

 

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Aussteuer und Heiratsvorbereitungen
Aussteuer und Heiratsvorbereitungen
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Advent und Weihnachten

 

 

Die Heilige Barbara

 

Am 4. Dezember ist das Fest der Heiligen Barbara.  Die Heilige Barbara hatte in Wessum keine große Bedeutung. Im Ruhrgebiet ist sie besser bekannt. Sie gilt als Schutzpatronin der Bergleute und der Artillerie. Selbst einige Kasernen tragen ihren Namen.

 

Es ist lediglich bekannt, dass auch schon früher sogenannte Barbarazweige (vor allem Forsythien) geschnitten wurden. Man stellte sie in lauwarmes Wasser, alle paar Tage wurden die Enden abgeschnitten und sie bekamen frisches Wasser. Dann sollten sie an Weihnachten blühen. Man kann aber nicht von einer Tradition sprechen, da dieser Brauch mehr im Ruhrgebiet oder im Rheinland verbreitet war und lediglich von Leuten praktiziert wurde, die nicht von hier kamen.

 

 

 

Nikolaus

 

Der 6. Dezember ist der Nikolaustag. Die Tradition um St. Nikolaus kommt ursprünglich aus den Niederlanden und war zunächst wohl nur in Westdeutschland, hauptsächlich im Münsterland, verbreitet. Bekannt wurden Nikolausbräuche schon vor dem Krieg. In den Kriegsjahren wurden private Organisationen getroffen und erst nach dem Krieg wurden Umzüge durchgeführt. In Wessum war daran maßgeblich der Amtmann Bernhard Vöcking beteiligt.  In Vorbereitung auf den Nikolaustag begann man schon Tage vorher Lieder zu singen. In den Kriegsjahren verkleideten sich die Frauen als Nikolaus – die Männer waren im Krieg – und besuchten die Kinder in den Nachbarschaften. Die Bräuche variierten je nach Nachbarschaft. Manchmal tauchte zur Bescherung eine Hand im schwarzen Socken oder Handschuh hinter der Tür auf und warf Geschenke ins Zimmer. Teilweise wurden auch von den Kinder Klumpen mit Stroh zurechtgemacht oder Heu für den Schimmel hinterlegt. In anderen Fällen wurden Teller mit Schwarzbrot aufgestellt. Am nächsten Morgen fanden sich dann dort Süßigkeiten oder Spielzeug. Dabei waren die Geschenke sehr attraktiv  und üppiger als Weihnachten. Es gab Socken, Handschuhe, Schals, manchmal auch Metallautos, Dampfmaschinen, Stabilbaukästen oder sogar eine elektrische Eisenbahn. Auch die Paten wurden sehr in Anspruch genommen und fungierten als spendable Geschenkegeber, was für damalige Verhältnisse ansonsten  sonst nicht üblich war. Nikolaus war im Übrigen der einzige Termin im Jahr, an dem es Patengeschenke gab.

 

Als später der Nikolaus durch das Dorf zog, gab es speziell für die Außenbezirke Sammelstellen. Dort erschien der Nikolaus mit Knecht Ruprecht und Engelchen und das Kommen wurde mit Schellenläuten angekündigt. Sammelstellen waren u. a. an verschiedenen Stellen im Averesch, Buddendick, Vosshook und an der Bahnhofstraße. Ab 1961 ging der Nikolaus von Haus zu Haus, was auch als sehr persönlich angesehen wurde. Heute werden bei den Hausbesuchen mehr als 800 Kinder (Stand 1995) besucht.

 

Advent

 

Der Advent spielte vor allem kirchlich eine recht große Rolle. Äußerlich wurde dieses deutlich durch violette Ornate. Genau wie in der Fastenzeit fanden keine Hochzeiten oder andere Festlichkeiten statt. Die Kirche war geschmückt mit einem Adventskranz und endlich wurden Adventslieder gesungen. Diese Lieder (O komm, Emanuel usw.) waren sehr beliebt und schon fast Volkshits. Spezielle Adventsandachten mit Predigten wurden erst von Pfarrer Wulf eingeführt.

 

Nur selten gab es für die Kinder Süßigkeiten. Sollten sie in der Adventszeit dennoch gelegentlich etwas bekommen, sammelte man sie bis Weihnachten in einem Bonbonglas. Ein generelles Fasten war aber nicht allgemein üblich.

 

Heilig Abend

 

Der Heilige Abend hatte früher keine wesentliche Bedeutung. Lediglich von einigen wenigen ist bekannt, dass sie am Heilig Abend ab Mittag nicht mehr arbeiteten, sich umzogen, evtl. beichteten und beteten. Ansonsten war die Beichte oder Kommunion zu Weihnachten nicht Pflicht, wurde aber häufig praktiziert. Auch ist aus einigen Gebieten bekannt, dass am Heilig Abend viel gebetet wurde. Manchmal ging der Hausherr, begleitet von den Kindern, mit einer Kerze und Weihwasser durch den Stall. Den Tieren wurde ein Segen ausgesprochen und Pferde und Kühe bekamen ein Stückchen Schwarzbrot. Dieses mit der Begründung, „weil sie ja auch an der Krippe waren“.

Weihnachten

 

Weihnachten war schon immer das Hochfest schlechthin. Dabei spielte dir Kirche eine sehr große Rolle. So ging man mit der ganzen Familie am Weihnachtsmorgen zur 1. Messe um 6.00 Uhr. Es folgte eine Messe mit Krippenspiel und ein Hochamt. Dann wurde Latein gebetet, der Chor sang und die Veranstaltung dauerte sehr lange. Im Anschluss daran gab es stille Messen mit sehr vielen und gern gesungenen, schönen Weihnachtsliedern. Jeder Geistliche – meist waren zwei oder drei im Dorf – musste drei Messen halten und insgesamt waren sechs Messen an der Tagesordnung. Die Gläubigen besuchten i. d. R. zwei bis drei Messen. Da die Zeit drängte, begann man mit dem Kommunionausteilen in der ersten Messe schon nach der Wandlung. Schließlich war in der Kirche Hochbetrieb. So kam es häufig vor, dass die ersten drei Messen schon beendet waren, wenn man mit dem Austeilen der Kommunion fertig war.

 

Für die Messdiener gab es nach dem Hochamt Nüsse und Äpfel.

 

Nach dem Besuch der Messe ging man nach Hause und erst dann gab es die Bescherung – nicht wie heute schon am Heilig Abend. Dann sahen die Kinder auch erstmalig den Weihnachtsbaum, der bis dahin in einem verschlossenen oder verdunkelten Raum stand. Die Weihnachtsgeschenke waren nicht so üppig wie beim Nikolaus und meistens wurden praktische Sachen, wie Socken, Holzschuhe, Äpfel o. Ä. verschenkt. Erst im Anschluss an die Bescherung gab es das gemeinsame Frühstück. Dazu gab es oft frischen Schinken oder halben Kopf mit Zwiebeln. Das Mittagessen am Weihnachtstag war schließlich das beste Essen des ganzen Jahres. Häufig gab es eine Gans.

 

Der Weihnachtsbaum ist in ganz frühen Jahren nur wenig bekannt. So ist aus Erzählungen bekannt, dass um 1910 der erste Baum bei Hassels im Averesch stand. Er war mit einigen Kerzen geschmückt. Für die Kinder, die den Baum anguckten, gab es aus der Schlippe (Halbschürze) der Bäuerin je Kind einige Nüsse und einen Apfel. Erst später wurde der Weihnachtsbaum zu einer festen Einrichtung. Nach den Feiertagen wurde der Baum in den Stall gebracht und die Kinder konnten damit spielen.

 

Im Dorf soll der erste Weihnachtsbaum bei Quast (Vorfahren von Familie Luthe) gestanden haben. Quast waren Wirtsleute und kamen aus dem Ruhrgebiet. Sie wohnten in einem kleinen grauen Haus am ehemaligen Amtsgebäude. Wessumer, die so etwas noch nicht gesehen hatten, sagten: „Doar kann man wall sehen, datt bünt Lutherschken.“

 

Familienbesuche waren zu Weihnachten früher nicht ganz so ausgeprägt, wie heute. Vielmehr besuchten sich die Nachbarn gegenseitig. Die Gegenbesuche wurden häufig am Neujahrstag gemacht. Die Geschwisterkinder, die zu Weihnachten zu Besuch kamen, bekamen vereinzelt ein kleines Geschenk. Am Weihnachtsabend gingen die Kinder oft zu Nachbarn oder zu Verwandten, die in der Nähe wohnten. Dort wurden am Weihnachtsbaum Lieder gesungen. Das Licht war aus, die Kerzen an und dann wurde es mit Wunderkerzen sehr festlich. Nach dem Gesang gab es wieder Nüsse.

 

Am zweiten Weihnachtstag war man schon etwas feiertagsmüde. In der Kirche war nicht mehr so viel Betrieb und auch der Pfarrer verzichtete auf die Predigt. Die Priester trugen Messgewänder in dunkelroter Märtyrerfarbe.

 

Stephanus

 

Vor dem Krieg war Stephanus nicht sonderlich bekannt. In den Gaststätten war an Emmaus wesentlich mehr Betrieb. Erst Ende der 40er Jahre – 1948 gab es schon Schnaps und Bier – begann man damit, nach dem Hochamt bis etwa 13.00 Uhr einen Kneipenbesuch zu machen (Stephanus steinigen). Erst in späteren Jahren wurde dieses ausgedehnter.

 

Silvester

 

Silvester hatte früher kaum eine Bedeutung. Vor dem Krieg spielte der Jahresabschluss gar keine Rolle und erst nach dem Krieg wurde der Tag – bedingt durch Alkoholkonsum – ein wenig gefeiert. Später wurde es schließlich durch Radio und Fernsehen publik gemacht. Öffentliche Tanzveranstaltungen hingegen wurden schnell wieder abgeschafft, da man eher im Familien-, Nachbarn- oder Freundeskreis feierte. Zum Jahreswechsel um 24.00 Uhr zog man singend und gratulierend durch das Dorf. In einigen Jahren schoss Bäcker Effing um 24.00 Uhr Böllerschüsse und die Musikkapelle spielte. Ebenso läuteten die Kirchenglocken.

 

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Advent und Weihnachten
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Backen und Schlachten in der Weihnachtszeit

 

In der Regel wurden erst zur Neujahr Hörnchen (Iserkökskes) gebacken, nur vereinzelt auch schon zu Weihnachten. Diese Hörnchen wurden mit einem Waffeleisen, das an einem langen Stiel befestigt war, im offenen Feuer gebacken.

 

Ganz selten wurde im Advent gefastet. Einigen ist auch das Allerheiligenfasten bekannt. Dieses war keine besondere Maßnahme, sondern fand seinen Grund darin, dass das Pökelfass leer war.

 

Im Advent wurde meistens schon zum ersten Mal geschlachtet. Das „Vörschwien“ kam jedoch nicht ‚an die Straße‘, weil es noch nicht genügend Speck angesetzt hatte und zu dünn war. In den Kriegsjahren wurde genau festgelegt, wie viel man für den Eigenbedarf schlachten durfte. Dieses wurde nach der Personenzahl, die in einem Haushalt lebte, berechnet. Schweinehälften, die man nicht behalten durfte, mussten u. a. bei Hergaden (Schlachtbetrieb in Ahaus) abgeliefert werden. Den Brüdern Nienhaus gelang es einmal, eine abzuliefernde Schweinehälfte wieder mitnehmen zu dürfen. Wahrscheinlich lag der Grund in der Uniform, die die Brüder trugen. Während dieser Zeit stand natürlich das Schwarzschlachten groß in Blüte.

 

 

In einigen Familien gab es am Schlachttag die Schlachtvisite. Dann kamen u. a. die Schwäger zum Essen. Obwohl das Schwein noch an der Leiter hing, wurde schon ein Stück Fleisch herausgeschnitten, was anschließend gebraten wurde. Bei einigen gab es auch schon „Schwieneboars“ (Bauchspeicheldrüse), Milz und Gehirn. Wenn das Schwein schließlich verwurstet war, bekamen einige Nachbarn und Verwandte einen „Pottess“ zum Mitnehmen. Dieses bestand aus einem Stück Fleisch, Mettwurst, Wurstebrot, Buchweizenwurst und Leberwurst. Hier gab es aber auch unterschiedliche Regelungen je Nachbarschaft. So gab es vereinzelt die Sitte, dass am Wursttag zu Mittag Schweinesuppe mit Reis zu den Nachbarn gebracht wurde.

 

 

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Backen und Schlachten in der Weihnachtszeit
Backen und Schlachten in der Weihnachtszeit
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Ein Waschtag

 

Das Thema „Waschen“ hatte in den 40er/50er Jahren einen besonderen Stellenwert. Es war ausschließlich eine Sache der Frauen. Anders als heute wurde früher nur etwa alle drei bis vier Wochen gewaschen. Dann verbrachte man damit allerdings den ganzen Tag – egal, welches Wetter es war. Die Frauen wuschen in der Waschküche oder in der Pottkamer. Aus den Erinnerungen besaß Familie Hassels 1942 die erste Waschmaschine mit einem Rohölmotor.

 

Der „Schwienepott“ in dem gewaschen wurde, hatte zwei Einsätze. Der emaillierte Einsatz war für die Wäsche. Man begann mit der Kochwäsche. Diese wurde bereits einen Tag vorher in warmem Wasser eingeweicht. Zusätzlich verwendete man Soda. Es gab auch schon Waschmittel von Henkel oder Imi. In den Kriegsjahren wusch man lediglich mit Asche. Das Waschmittel wurde nicht auf Vorrat gekauft. Man holte sich immer nur so viel, wie gerade gebraucht wurde.

 

Am Waschtag wurde zunächst das Sodawasser von der Wäsche genommen. Danach wurde in Seifenwasser gewaschen. Man begann stets mit der Kochwäsche, dann Socken und blaue Handtücher. Nach dem Kochen der Wäsche wurde sie herausgenommen und in anderen Wannen oder Töpfen gewaschen. Kinderwäsche kam generell auf der Maschine (in der Küche) oder auf dem Ofen in einen Waschtopf.

 

Das Waschen war körperlich sehr anstrengend. Viele Frauen rieben sich auf dem Waschbrett die Handballen kaputt. Am Ende des Waschens wurde die Wäsche mehrfach durchgespült, entweder in Wäschewannen oder in einem Bach. Die Wäsche wurde mit einer Schiebkarre transportiert. Am Bach lag oft ein Brett, auf dem man knien konnte.

 

Das Seifenwasser der verschiedenen Waschgänge wurde nicht etwa weggekippt, sondern man nutzte es zum Wischen von Küche und Plumpsklo.

 

Insgesamt wurde damals nicht zu viel gewaschen. Besonders schmutzige Wäsche wurde immer eingeweicht. Es scheint so, als waren die Textilien früher von besserer Qualität.

 

In früheren Jahren gab es viele Textilien, die gestärkt wurden, wie Hemden, Schürzen und Tischdecken. Die Stärke wurde selbst hergestellt. Es wurden Kartoffeln gerieben. Das abgesetzte Kartoffelwasser diente als Stärke. Dieses wurde mit Wasser gemischt. Anschließend wurde die Wäsche durch diesen Sud geschlagen. Auch da gab es eine festgelegte Reihenfolge, denn zuerst kamen die Oberhemden und dann die Schulschürzen.

 

Es gab auch Hemdskragen (Leinen- oder Gummikragen), die aufgeknöpft wurden. Diese oblagen einer besonderen Pflege. Sie wurden selbst von den Hausfrauen gewaschen und dann zum Stärken außer Haus gebracht. In Wessum war es „Kragenbennätzken“, der diese Arbeit verrichtete.

 

Bereits vor dem Krieg gab es Wäscheschleudern, die Wringers. Die Wäsche lief dabei durch zwei große Rollen. Später gab es Wäscheschleudern auf Strom, die auf einer Waschmaschine aufgesetzt waren.

 

Danach wurde die Wäsche zum Trocknen ausgelegt. Weißwäsche breitete man auf der „Bleeke“, einer Grasfläche, aus. Um die Wäsche zu schonen, wurde sie dabei immer mal wieder mit der Gießkanne nass gemacht. Buntwäsche legte man auf Hecken. Dann muss man aufpassen, dass die Kühe die Wäsche nicht herunterholten. Insbesondere Kinderwäsche war oft Buntwäsche. Die Wäsche wurde fast immer draußen getrocknet. Lediglich im Winter wurden Leinen durch die Küche gespannt. Wenn es zu kalt war, konnte die angefrorene Wäsche zerbrechen. Das Wäscheaufhängen war eine Arbeit, die häufig zu zweit erledigt wurde. Wenn die Wäsche aufgehängt wurde, musste auf jeden Fall die Leine vorher abgewischt werden.

 

Schließlich wurde Wäsche auch gebügelt. Dabei hatte man nicht immer ein Bügeleisen zur Verfügung und musste sich anderweitig helfen. Arbeitshemden wurden auf den Knien gefaltet und andere Wäsche wurde sehr glatt gefaltet und dann unter das Kopfkissen gelegt oder man setzte sich auf die Textilien. Gestärkte Wäsche wurde vor dem Bügeln eingefeuchtet, weil sie sonst nicht glatt wurde. Karierte Arbeitshemden wurden nur am Kragen gebügelt, weiße Oberhemden ganz und Taschentücher ebenfalls. Wenn ein Monogramm vorhanden war, wurde es stets nach oben gelegt. Bettlaken und Tischtücher mussten sehr glatt und gerade gezogen werden.

 

Gebügelt wurde mit Bolzen, den Untersetzern. Diese kamen in den Ofen oder ins offene Feuer, wurden dann mit einer Zange herausgenommen und in das Bügeleisen gelegt oder darunter befestigt. Man arbeitete oft mit zwei bis drei Bolzen.

 

Mangelwäsche – meistens Tischwäsche und Überhandtücher - wurde zwischen Holzrollen gewalzt. Dabei musste man aufpassen, dass sich kein Grünspan bildete. Anschließend musste die Wäsche so lange offen gehängt werden, bis sie richtig trocken war.

 

Es galt als „hauswirtschaftliche Todsünde“, wenn die Wäsche nicht ordentlich gewaschen, gepflegt und aufgemacht war. (Das galt insbesondere auch bei Servietten.)

 

Früher wurde aus der Not heraus viel gestopft. Es wurden Hemdskragen umgesetzt, wenn sie aufgetragen waren, geflickt und aufgenäht. Längst nicht alle Kinder hatten auch nur zwei Paar Socken.

 

In vielen Bereichen musste man sich sehr behelfen. Trockentücher wurden aus ausgedienten Bettlaken gefertigt, Hemdskragen aus dem unteren Teil der Hemden, der ohnehin in der Hose steckte, herausgeschnitten.

 

Alles in allem gab es keine großen Mengen an Wäsche. Die Schmutzwäsche wurde in Wäschekörben, das waren große geflochtene Körbe mit zwei Henkeln und einem großen Bügel, aufbewahrt. Diese Körbe sollten aber ständig ausgedünstet werden.

 

Der Waschtag war insgesamt ein sehr anstrengender und langer Tag. Und – Waschtag war immer der Montag.

 

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Ein Waschtag
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Rette deine Seele um jeden Preis - Andenken an die heilige Mission 1888

 

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Andenken an die heilige Mission 1888
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Hochzeiten mit allen Traditionen und andere Familienfeste


Kennenlernen

Das Ausgehen von Jungen und Mädchen war früher eine eher seltene Sache. Es gab wenig Feste und Gelegenheiten, die zum Freien genutzt werden konnten. Ein erster Schritt zum Heiratsmarkt begann häufig am Dreifaltigkeitstag, dem sog. Bekenntnissonntag. Dieses war häufig der Sonntag, an dem es „offiziell“ von kirchlicher Seite erlaubt war, dass Jungen und Mädchen zusammen ausfahren. Eine Predigt in der Kirche wurde speziell für die Jugendlichen aus dem Dekanat gehalten und somit ließen es auch die Eltern zu, dass ihre Kinder ausgehen durften. In der Kirche wurde es aber auch nicht versäumt, darauf hinzuweisen, dass die Jungen bei den Soldaten angeblich alle verdorben worden waren, da sie dort „viel Schlechtes und Böses“ erfuhren.
Ab und zu gab es im Ahauser Stadtpark ein Zeltfest. Dieses Fest, auch „Büllekesball“ genannt, war häufig eine Gelegenheit von Eltern, ihre Kinder zu vermitteln. Letztlich war es oft eine Frage der Mitgift. (Vermittelte jemand anders, bezeichnet man diese Aktion als „Hut verdienen“.) Die Mädchen saßen bei den Festen immer bei den Eltern und so waren auch stetes die Eltern zu fragen, ob man mit dem Mädchen tanzen durfte.
Nicht selten war es ein großes Anliegen der Eltern, zuerst die ältesten Mädchen unter die Haube zu bringen. Das Motto lautete: „Denn Stuten wött immer von bowwen anschnedden.“ Länger zurück (ca. 100 Jahre) liegen noch andere Rituale. Wenn der junge Mann es geschafft hatte und das Mädchen zu Hause besuchen durfte, wurden beim Essen Hinweise gegeben, ob die Eltern mit der Beziehung einverstanden waren oder nicht. Falls sie den Jungen nicht wiedersehen wollten, wurde ihm im Pfannkuchen ein Tuch mit gebacken oder es wurde ihm ein Löffel, statt Messer und Gabel, dazu gereicht. Aber auch wenn man mit der Verbindung einverstanden war, traf man sich nicht so häufig. I. d. R. verabredete man sich mittwochs (Kommoabend, Steckoabend, Buckoabend) und sonntags. Ein Besuch am Samstag war eher die Ausnahme. Nicht selten sah man sich auch nur alle 14 Tage.

 

Verlobung
Eine Verlobung war nicht immer üblich. Wenn sie gefeiert wurde, dann auch nur im engsten Familienkreis mit den Onkel und Tanten. Hin und wieder gab es auch eine kirchliche Verlobung, wozu der Pastor eingeladen war. Es wurde stets dort gefeiert, wo die Braut herkam, es sei denn, eine Hausbraut war verkuppelt worden.
Bei den Bauern feierte man auf der Tenne. Das Fest bestand zunächst nur aus gutem Essen und Trinken. Später wurde auch auf dem Trecksack Musik gemacht. I. d. R. gab es zur Verlobung Aussteuergeschenke und Haushaltsartikel. Wenn die Verlobung wieder zu Bruch ging, mussten diese Geschenke zurück gegeben werden.
Auch wenn die Ehe versprochen worden war, durften die Brautleute nicht unter einem Dach schlafen. Interessant ist auch ein Missionsblatt von 1892 (s. u.) mit Regeln, die von der Kirche aufgestellt worden waren. War die Ehe schließlich versprochen und man hatte geschlechtlich verkehrt, dann galt die Ehe als vollzogen und konnte nicht geschieden werden. Das Spenden des Sakramentes in der Kirche war lediglich ein Absegnen durch den Pastor. 

 

Verkündigung – Schatten – Gratulieren

Vor der Hochzeit musste schließlich das Aufgebot bestellt werden. In der Kirche hieß es dann „van’n Präkstool schmieten“. An drei Sonntagen nacheinander (direkt vor der Hochzeit ) wurde dann in der Kirche bekannt gegeben, dass das Paar beabsichtige zu heiraten.
Nach der 1. Verkündigung wurde dann das „Schatten“ oder „Grallärn“ gefeiert. Dieses Fest fand bei der „Vermittlungsstelle“ statt. Es war ein Fest, bei dem der Bräutigam die Braut von den Nachbarjungen gegen Schnaps kaufen musste. Zu diesem Fest kamen außer den Nachbarn noch viele Gäste und z. T. war es üblich, dass ein kleiner Eintritt bezahlt wurde. Die „Rexjungs“ (Junggesellen aus der Nachbarschaft) organisierten das Fest und verwalteten die Einnahmen. Eines dieser Feste hatte ein derartiges Ausmaß angenommen, dass es 1946 von Pastor Knälmann offiziell verboten wurde, weil es zu hoch herging. Pastor Knälmann drohte damit, dass er nicht zur Hochzeit kommen würde, wenn ein „Schattfest“ stattfand.

Brutlaggsnögen – Koh haalen – Kränzen

Unmittelbar vor der Hochzeit gab es für die Nachbarn dann viel zu tun, zu feiern und Regeln einzuhalten. Es begann mit dem „Brutlaggsnögen“, dem Einladen der Gäste. Der nächste Nachbar und der Dodenbuer (i. d. R., auf jeden Fall aber immer zwei Nachbarn) hatten die Aufgabe alle Gäste, Nachbarn und Verwandte zu besuchen und zur Hochzeit einzuladen. Auf diese Art und Weise wurden alle eingeladen, die man mit dem Fahrrad erreichen konnte. (Lediglich Einladungen zur Silberhochzeit wurden manchmal von einem Einzelnen erledigt.)
Zunächst fuhr man also zur Braut, wo die Fahrräder geschmückt wurden. Dort gab es Essen und Trinken sowie Schnaps für unterwegs. Schließlich musste man sich bei der Braut, manchmal auch am Hochzeitshaus, abmelden und das Einladen begann. Dazu war man oft tagelang unterwegs. Bei den Gästen ankommend, spendierte man stets Schnaps aus der mitgebrachten Flasche, die schließlich immer wieder aufgefüllt wurde. Somit hatte man abends ständig –zig verschiedene Sorten Schnaps in einer Flasche.
Ein weiteres Fest für die Nachbarn war das „Koh halen“. Eine Kuh, die die Braut häufig als Mitgift mitbekam, musste gekauft werden und wurde anschließend von den Brautleuten wieder abgekauft. Dieses Handeln war eigentlich nicht nötig, sondern nur improvisiert um für die Nachbarn einen Anlass zum Trinken zu finden. (Hier gab es je nach Ort verschiedene Bräuche.)
Ansonsten war die Mitgift schon eine wichtige Sache. Je nach Rang bekam die Braut eine Kuh oder ein Pferd als Mitgift (bei den Bauern). Diese wurde hinter den Kisten am Wagen angebunden, wenn die Aussteuer der Mädchen, in Kisten verpackt, zum Hochzeitshaus gebracht wurde. Für dieses „Kistenwagenförn“ war der Dodenbuer zuständig.
Die Brautkuh blieb schließlich auf dem Hof und hatte im Stall den ersten Platz. Außerdem durfte sie nicht verkauft werden.
Natürlich war es wichtig, dass das Mädchen eine gute Aussteuer hatte und die Kisten voll waren. Schließlich mussten die Schränke zur Hochzeit voll sein. Speziell für das Nähen aus altem Leinen gab es eine Näherin (Wittnäister), die insbesondere auch Nachthemden nähte und beim Einpacken der Schränke half.
Früher waren Hochzeiten i. d. R an einem Dienstag. Somit mussten die Nachbarn schon am Sonntag Grün holen und Kränzen. Nachmittags gingen die Jungen in den Wald und holten Grünzeug. Als Proviant bekamen sei Schnaps. Die Frauen hingegen bekamen mittags schon Kaffee, während die Jungen erst Kaffee bekamen, wenn sie aus dem Wald zurück kamen. Das Röschenmachen fand jedenfalls erst abends statt. Diese Feier war meistens beim nächsten Nachbarn und nur vereinzelt am Brauthaus. Am Montag wurde dann der Kranz aufgehängt.

 

Hochzeit

Am Dienstag war schließlich Hochzeit. Für die Nachbarjungen begann der Tag bereits um 5.00 Uhr mit dem Schießen mit „Kabittbüchsen“. Um 8.00 Uhr in der Schulmesse war dann die Trauung. Nach der Messe ging das Brautpaar im engsten Kreis, mit Eltern, Geschwistern, Trauzeugen, nächsten Nachbar und Dodenbues, nach Hause. Der Dodenbuer fuhr dabei wieder die Kutsche oder das Gick. (Wenn die Leute selbst zu Hause genug Platz hatten, fand die Feier dort statt, ansonsten war sie auch schon einmal bei einem Bauern.) Anschließend war der Termin beim Fotographen.
Ab 11.00 Uhr kamen dann die Onkel und Tanten dazu. Wenn die Brautleute das Haus betragen, wurde ihnen vom Nachbarn oder von den Eltern zur Begrüßung ein Getränk entgegengebracht. Das Mittagessen folgte pünktlich zwischen 12.00 Uhr und 13.00 Uhr. Weiterhin war es mancherorts üblich, dass das Brautpaar mit den Trauzeugen nach dem Mittagessen zum nächsten Nachbarn ging und Kaffee und Kuchen gereicht wurde. Nach dem Abendessen war schließlich Tanz für alle. Schon nach dem Brauttanz kam das „Brut uttrecken“. Dabei wurde viel getrunken und mit der Brautmutter Geld ausgehandelt, was später die Nachbarn bekamen, um eine weitere Feier zu halten (silbernen Bodden vertäärn). Dieser Brauch war allerdings nicht überall üblich und wurde verschieden gehandhabt.
Interessant ist sicherlich auch, dass der Postbote und der Aussteuerlieferant, z. B. Elfering, zur Hochzeitsfeier eingeladen wurden. Elfering durfte übrigens auch den Brautwagen fahren, als es in Wessum die ersten Autos gab.
I. d. R. wurde eine Hochzeit zwei Tage lang gefeiert. Der zweite Tag war ein Fest für die Nachbarn, die am ersten Tag alle helfen mussten. Der nächste Nachbar musste übrigens kochen. Am zweiten Tag brachten die Nachbarn schließlich auch Schinken oder „halben Kopp“ mit. Ganz vereinzelt gab es noch einen weiteren dritten Tag zu feiern.
In der Advents- und Fastenzeit gab es generell keine Hochzeiten.
Standesamtlich wurde i. d. R. erst einen Tag vor der kirchlichen Hochzeit geheiratet. Dazu gab es keine Feier, sondern man ging lediglich nur den Trauzeugen zum Amt.
Erwähnt sei in diesem Zusammenhang auch, dass über das erstgeborene Kind eines Kötters, der in einer „Lieftucht“ wohnte, der Eigentümer der Lieftucht Taufpate wurde.

 

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Hochzeiten mit allen Traditionen und andere Familienfeste
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Geschäfte in Wessum um das Jahr 1900


Die Zusammenstellung dieser Liste geht auf einen Gesprächsabend aus dem Jahr 1980 zurück. Daran teilgenommen haben sechs (mittlerweile verstorbene) Wessumer Bürger, die um die Jahrhundertwende geboren wurden. Das Ergebnis dieses Abends ist sicherlich diese umfangreiche Liste, aber auch die erstaunliche Feststellung, dass in fast jedem zweiten Haus im Dorf Wessum ein  „Geschäft“ war. Hinzu kommt, dass alle mit einem mehr oder minder großem landwirtschaftlichem Zu- oder Nebenverdienst verbunden waren. Und ebenso erstaunlich ist, dass so viele Leute in Wessum ihren Lebensunterhalt für ihre meist kinderreichen Familien auf dieser Basis erwirtschaften konnten.
Die Geschäfte waren häufig eine Kombination von Handelsartikeln, etwa Tabakwaren und Süßigkeiten, Kohlehandlung und Schreibwaren u. ä.
Hier aufgelistet sind nun die Namen, die plattdeutschen Namen und die Handelswaren, sortiert nach Straßen.

 

Lange Straße – jetzt Wesheimstraße:
Elfering                   Gerds                   Textil- und Kolonialwaren
(Elfering kaufte außerdem Schinken und Speck im Dorf auf.)
Wissing                   Breuls                  Optiker und Uhrmacher
Buddendick           Preckel                 Bäckerei
Benölken                                              Eierhandel und Kolonialwaren
(Benölken betrieb die erste Milchfuhre in Wessum und im Averesch.)
Laing                       Schoaps               Galoschenmacherei
Kramer                   Backpoater          Bäckerei
(Zu diesem Geschäft brachten die Leute Milch, Mehl, etwas Butter oder Schmalz und manchmal sogar Salz. Dieses wurde als Teig angerührt, mit Namen versehen und dann gebacken. So bekam jeder sein eigenes Brot zurück. Besonders guter „Stuten“ wurde mit „Bessmelk“ gebacken.)
Kramer                   Ossenpoater        Imkerei
Hassels                                                  Gaststätte
Kemper                  Klumpen               Baugeschäft
Wissing                  Jauns                      Gemischtwaren
(Dieser Laden war vermutlich der älteste in Wessum)
Gesenhues           Vickerei                  Eierhandel
Nienhaus              Schulten                 Stellmacherei
Thesing                 Knickert                  Schreinerei
(Thesing war sehr bekannt als Bauschreiner. Er hat u. a. den Kirchturm und das Krankenhausdach gebaut sowie das Kappendach auf dem Saal Terhaar in den Jahren 1929/30.)
Nünning             Luks                          Fahrräder und Nähmaschinen
Buddendick       Asbrook                   Baugeschäft
Gerling                Böpen                      Kolonialwaren
Temming            Kocks                       Kolonialwaren
Temming            Kocks                       Putzmacherei
Rollofzen             Schnieders Joop   Schuhmacherei und Schuhgeschäft
Grubbe                                                 Eierhandel und Kolonialwaren
Schaten               Schonkers              Fahrräder, Schmiede und Eisenhandlung
Könemann                                           Baugeschäft
Rörick                  Schnieders             Schneiderei
Bültjann (später Luthe)                   Gaststätte
(Das Geschäft war an der Stelle der heutigen Altenpflegeschule.)
Hoff                      Kottmann              Stuhlmacherei
Tenbreul             Lammers               Schneiderei und Tuchhandel

Kirchplatz:
Enk                      Klein-Dues             Kolonialwaren
Wittland             Speckert                 Kolonialwaren
Luthe                                                   Bäckerei
Bertling              Kösters                   Kolonialwaren, Drogerieartikel und Büroartikel
Uhland               Jühngerd                Schuhladen und Schuhmacherei
Herbering         Hokanne                Schreibwaren und Kohlenhandlung
Janning                                               Schneiderei
Effing                 Pöskes                    Schuhmacherei und Lebensmittel
Niewerth           Jan Näwing           Kolonialwaren
(Niewerth kaufte ebenfalls Schinken und Speck im Dorf auf.)
Buss                   Mehlgeschäft

Schulstraße:
Rademacher                                     Schneiderei
Gebker              Stoolbennards     Drechslerei und Stuhlmacherei
Gebker              Sieseken                Baugeschäft
Weiper                                               Kolonialwaren und Klempnerei
Kappelhoff       Gerres                    Schreinerei
(Die Räume dieser Schreinerei übernahm später der Sattler Alfons Scheffner.)
Terhaar                                              Anstreicher
Böcker                                               Gaststätte, Kolonialwaren, Getreide- und Kunstdünger-Handlung
Bertling             Betts                       Schmiede
Nienhaus                                          Lebensmittel, Bäckerei, Schankwirtschaft
(Die Bäckerei Nienhaus war für ihr Schwarzbrot weit über die Grenzen Wessums hinaus bekannt. Das „echte westfälische Schwarzbrot“ wurde auch in umliegende Orte verkauft.)
Terhaar             Bettelmann          Gaststätte
(Der Sohn Josef eröffnete hier später die erste Metzgerei.)
Säcker                                                Mühle, Lohndrescher, Nahverkehr
(In der Schulstraße wohnte auch Hermann Wissing, gen. Jürks Groten. Er leitete um 1900 eine eigene Musikkapelle, die auf Hochzeiten und zu besonderen Anlässen spielte. Der Bekanntenkreis dieses Mannes reichte bis nach Holland. Hermann Wissing wurde auch „Kapellmester“ genannt.

 

Jakobistraße:
Niewerth-Jungkamp    Krüss           Lebensmittel, Kolonialwaren, Eierhandel
Kottland                                               Schuhmacherei
Thesing                           Stripert       Kolonialwaren
Heßling (Gertrud)    Rattmann       Hausschneiderei
Tenbreul                     Lammers        Schneiderei und Tuchhandel
Scheffner                    Ameronn        Anstreicher
Bertling                       Puchherm      Bäckerei
(Im gleichen Geschäft betrieb Josef Hüßler später einen Laden für Rauch- und Süßwaren.)
Klümpers und Bertelmann             Damenschneiderei
(Im Hause Stackerts, früher Lambetts, wohnte Lena Kollet. Sie war die erste Hausschneiderin in Wessum. Sie hatte ihren festen Kundenkreis und nähte bei den Leuten neue Kleidungsstücke nach Maß, änderte alte Kleidung oder führte Flickarbeiten aus.)
Mensing                     Schlopp           Feldhüter
(Wie die Berufsbezeichnung bereits angibt, sorgte Mensing in Feld und Flur für Ordnung. So achtete er u. a. darauf, dass die Kinder im Sommer kein Getreide zerstörten und in den Gemarkungen keinen Unfug machten.)

Ahauser Straße -  jetzt Hamalandstraße:
Kappelhoff                 Schnieder Lammers     Mühle, Drescher, Nahverkehr
Buddendick               Deckers                            Baugeschäft, Architekt
Bessler                        nejn Timmermann        Bau- und Möbelschreinerei

Bahnhofstraße – heute Eichenallee:
Konert                                               Mühle, Lebensmittel
Gerwing              Hagen Joop        Molkerei und Wirtschaft

Kurze Straße – jetzt Leinenstraße:
Terhalle               Kotte                             Stellmacherei
Brüning               Knickebernd               Kolonialwaren und Hutgeschäft
(Der Inhaber dieses Geschäftes stellte außerdem Bescheinigungen für Viehtransporte aus.)
Bertling               Andrees                        Schneiderei und Frisör
Wissing               Schoolmester              Hutladen und Schulsachen
Kösters               Backer-August             Bäckerei
Vöcking              Germkes                        Bäckerei und Lebensmittel
Brüning              Kappelhoff /Bernds    Schmiede
(Der Schmied Brüning galt als der Mann mit dem größten Vermögen in Wessum.)
?   Dirks Mijken        Hausschneiderin

 

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Geschäfte in Wessum um das Jahr 1900
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Allerheiligen und Allerseelen


Allerheiligen war seit eh und je ein Feiertag. Allerseelen war ein Feiertag, ähnlich wie Hl. Drei Könige, d. h. diejenigen, die in Arbeit standen (z. B. Fabrikarbeiter), gingen zur Arbeit, während Bauern und Selbständige die Arbeit ruhen ließen und einen Visitentag daraus machten. Selbstverständlich war für alle jedoch der Kirchgang.

 

Am Allerseelentag musste jeder Priester drei Messen halten. Häufig war es der Fall, dass an verschiedenen Stellen in der Kirche eine Messe gefeiert wurde, die dann leider auch nicht zeitglich waren. Oft feierte ein Priester vor einem Seitenalter eine Messe, an der nicht einmal Messdiener teilnehmen mussten.

 

Am Allerseelentag war nach der Schulmesse eine Prozession zum Friedhof. Man ging klassenweise und stellte sich paarweise auf. Dabei herrschte eine bestimmte Reihenfolge, zunächst die Kinder nach Alter, dann Frauen, dann Männer. Auf dem Weg von der Kirche zum Friedhof wurde von den Kindern mit einem Vorbeter der Rosenkranz gebetet. Wenn man auf dem Friedhof vor dem Kreuz ankam, teilte sich die Prozession nach beiden Seiten auf. Schließlich sprach der Priester einige Gebete und segnete die Gräber mit Weihwasser.

 

Insgesamt ging man früher nicht so oft zum Friedhof wie heute. Speziell zu Allerheiligen wurden aber auch schon damals die Gräber überholt. Man bastelte selbst Kränze, die über das hölzerne Kreuz gehängt wurden. Manchmal hingen sie dort bis Ostern. Ansonsten machte der Friedhof eher einen verwahrlosten Eindruck. Erst seit Pfarrer Scharmann ist die ganze Anlage wesentlich gepflegter. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden übrigens auch die Graeser Mitbürger noch in Wessum beerdigt.

 

Ablass

Die Gläubigen in einer Gemeinde konnten ab Allerheiligen für die Verstorbenen Ablässe beten. Beginn dieses „Totius-Ablasses“ war nach dem Hochamt. Er bestand aus jeweils 6 Vater unser, 6 Gegrüßet seist du, Maria und 6 Ehre sei dem Vater. Acht Tage Vorher musste man gebeichtet haben und acht Tage nachher die Kommunion empfangen. Man betete um die Wette, denn es war wichtig, dass man so viele Ablässe wie möglich hatte. Und man betete solange, bis niemand mehr in der Kirche war. Nach jedem Ablass musste man kurz die Kirche verlassen. Dieses war natürlich sehr störend. Es gab auch Leute, die zwar an diesen beiden Tagen häufiger zur Kirche gingen, sich aber weiter vorne aufhielten, um in Ruhe für sich beten zu können.

 

Die Ablässe waren dazu da, um die Verstorbenen aus dem Fegefeuer zu erlösen. Man konnte auch extra Geld dafür spenden, nach dem Motto: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt.“

 

Wintergarderobe

Zu Allerheiligen wurde übrigens die neue Wintergarderobe vorgeführt, egal bei welchem Wetter. Das heißt auch, dass ein neuer Mantel unbedingt vor dem 01.11. gekauft werden musste, damit er pünktlich angezogen werden konnte. Die Mäntel waren dann häufig auch nach einem Winter verschlissen, da sie jedem Wetter und anderen widrigen Umständen (Fahrrad, schlechte Wege, keinen Schirm) standhalten mussten.

 

Bildquelle Heimatverein Wessum e.V.

 

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Das Rosenkranzgebet im Oktober

 

Die wichtigste kirchliche Tradition im Monat Oktober war das Rosenkranzgebet. Sowohl morgens vor der Arbeit in der Kirche, als auch abends in den Familien versammelte man sich zu lang andauernden Gebeten.

 

Morgens war das Rosenkranzgebet schon vor der ersten Messe und nahezu jeder fand sich dann auch in der Kirche ein. Wer zur Arbeit musste, konnte dann nach dem Rosenkranzgebet die Kirche verlassen, die Übrigen blieben selbstverständlich auch noch in der Messe.


In den Familien wurde schließlich nach dem Abendessen gebetet. Zunächst die fünf Gesetze des Rosenkranzes und im Anschluss daran ein Gesetz für die „armen Seelen“. Diese lang andauernden Gebete gehörten zum Tagesablauf. Selbst wenn Besuch kam, hörte man damit nicht etwa auf, sondern der Gast schloss sich dem Gebet an.

 

Eine Regelung gab es insofern, als dass an bestimmten Tagen jeweils wechselnde Rosenkränze gebetet wurden (z. B. Freitag – schmerzhafter Rosenkranz).


In einigen Familien waren die Bräuche recht streng und man kniete zum Gebet nieder. Den jüngeren Familienmitgliedern wurde das Gebet oft zu langweilig. In der  Familie Schulze-Buschoff fand die vorbetende Oma häufig kein Ende und die übrigen Teilnehmer (Kinder aus der Familie und ein paar Gäste) trafen schon vorher Absprachen, wie man dem entgegentreten könnte. So fing man nach einiger Zeit mit mehreren an zu gähnen. Schließlich wurde das Gebet wegen zunehmender, ansteckender Müdigkeit abgebrochen.

 

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Rosenkranz
Das Rosenkranzgebet im Oktober
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Ostern

 

Ostern war ein wirklicher Feiertag. Bereits um 6.00 Uhr war die erste Messe und man ging zunächst in einer Prozession dreimal um die Kirche. Dabei schlug der Pastor immer mit dem Kreuz an die Kirchentür, rief von außen und der Küster antwortete von innen, natürlich in lateinischer Sprache. Nach dem dritten Rundgang wurde schließlich die Kirchentür geöffnet und unter Orgelklang zog die Gemeinde in die Kirche ein.
Ostern wechselte man übrigens auch die Garderobe. Der Wintermantel wurde weggelassen. Das Wetter spielte dabei keine Rolle.

Osterfeuer
Ab Osternachmittag wurde Stroh für das Osterfeuer geholt. Der „Schlachtruf“ dazu lautete: „Stroh hier för’t Osterfüuer!“ Allerdings war das Stroh sehr knapp oder wurde lieber im Stall gebraucht. Dafür bekamen die Kinder dann Bohnenstroh für das Osterfeuer. Manchmal begann man schon ab Weihnachten, Holz zu sammeln. Von überall wurde Holz zusammen getragen, wo man im Winter etwas geschlagen hatte. Vieles kam auch aus Tannenwäldern, weil hier das Abfallholz selten für die sog. Busken verwendet wurde. Außerdem wurden verdorrte Kränze vom Friedhof geholt. Manchmal wurde auf dem Feuer auch eine Puppe verbrannt.
Fast jede Nachbarschaft oder Straße hatte ein eigenes Osterfeuer und alle waren bestrebt, das größte Feuer zu haben. Abends wurde das Feuer schließlich angezündet. Dabei war die ganze Nachbarschaft versammelt. Das Anzünden des Feuers war immer ein kleiner Kampf, wer es zuerst schaffte: die Älteren oder die Jüngeren. Den Kindern war es selbstverständlich am liebsten, wenn das Feuer spät angezündet wurde, damit sie im Dunkeln noch aufbleiben konnten.
Schließlich hatten die Jungen besonderen Spaß daran, die Mädchen im Gesicht schwarz zu machen.
Neben diesen Bräuchen wurden selbstverständlich auch viele Osterlieder gesungen.

Ostereier
Am Ostermorgen gingen die Kinder Ostereier suchen. Am Vorabend hatte man Osternester gebaut, damit der Osterhase darin seine Eier – meist bunt bemalt – legen konnte. Ebenso wurden Eier versteckt, wobei den Kindern das Suchen besondere Freude machte. Oft ging man zusätzlich in den Wald, um dort die Eier zu suchen, die der Osterhase verloren hatte.
Ganz wichtig war natürlich ein Wettessen an Ostereiern. Während es das ganze Jahr fast keine Eier gab, wurde Ostern alles nachgeholt. In großen Haushalten wurden die Eier in einer Schürze (Vörbinder = blaue Halbschürze) im Kessel gekocht. Es war keine Seltenheit, dass jemand 10 bis 15 Eier aß.

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Ostern
Ostern, Osterfeuer, Ostereier
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Passionszeit / Karwoche

Passionssonntag
Der Passionssonntag ist der fünfte Sonntag in der Fastenzeit, also der Sonntag vor dem Palmsonntag. Mit dem Passionssonntag wurde die Zeit des „Leidens Christi“ eröffnet.
Am Passionssonntag wurden die Kreuze in der Kirche in ein violettes Tuch eingehüllt. Das Hauptkreuz wurde schließlich am Gründonnerstag in ein weißes Tuch gehüllt. Die anderen Kreuze behielten das violette Tuch.

 

Palmsonntag
Am Palmsonntag merkte man schon, dass die Fasten so langsam zu Ende gingen. In der Kirche wurde es feierlicher. Sowohl am Palmsonntag, als auch am Gründonnerstag und am Karfreitag wurde die Passion (Leidensgeschichte) ganz gebetet.
In der Kirche gingen die Kinder mit den Palmstöcken zur Palmweihe. Die Stöcke wurden bunt geschmückt und mit Bildern behängt. Etwas Besonderes war es schon, wenn man Plätzchen, Äpfel oder Apfelsinen am Stock hatte. Nach der Palmweihe wurde der gesegnete Palm mit nach Hause genommen und hinter die Kreuze und Weihwassergefäße gesteckt. Außerdem wurde Palm gebraucht, wenn jemand versehen wurde. Darüber hinaus brachte man Palm zu Leuten, die sonst keinen gesegneten Palm bekamen. Was dann noch übrig war, wurde zum Vieh in den Stall gebracht.

 

Gründonnerstag
Gründonnerstag läuteten in der Kirche die Glocken während des Glorias. Dann verstummten sowohl die Glocken als auch die Orgel. (De Orgel geht noa Rom.) Auch zur Wandlung wurde nicht mehr geklingelt, sondern mit Holzkloppeln geschlagen. In der Kirche wurde ein Grab gebaut, eine Hostie zum Grab gebracht und der Tabernakel stand offen. Bis Ostern gab es dann keine Heilige Messe mehr.

 

Karfreitag
Am Karfreitag war bereits um 8.00 Uhr ein Gottesdienst oder auch „halbe Messe“ genannt. Dieses wurde recht spannend aufgebaut. Der Pastor lag dreimal auf dem Bauch vor dem Kreuz und anschließend wurde das Kreuz ins Grab gelegt. Am Nachmittag war eine Prozession mit dem Kreuz durch die Felder bis nach Buschoffs Linde.

Karsamstag
Am Karsamstag war morgens ein Gottesdienst mit der Weihe des Taufwassers und dem Abbrennen des Feuers. Diese Veranstaltung war jedoch nur mit Pastor und Messdienern. Die abgebrannte Asche wurde am nächsten Aschermittwoch für die Aschenkreuze verwendet.
Um 12.00 Uhr waren schließlich die Fasten offiziell zu Ende. Dann durfte auch wieder Fleisch gegessen werden.

 

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Passionszeit / Karwoche
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Febraur / März

 

Karneval


Öffentlichen Karneval gibt es in Wessum erst seit der Zeit nach dem Krieg, in Wüllen bereits vorher. Sonst ist es aus früheren Jahren auch nur von Ottenstein bekannt, in Wessum hatte der Karneval keine Bedeutung. Lediglich der „Krim“ feierte Karneval schon in den 30er Jahren. Der Krim ist das Gebiet der heutigen Wesheimstraße von Elfering bis Hassels. Zusätzlich feierten Wassing mit, die eigentlich zum „Saargebiet gehörten. Der Name Krim kommt von einem recht verkommenen Verbrecherviertel aus Enschede, das ebenso benannt war. Schon damals war der Karneval auf der Krim ein hoher Feiertag. Es wurde schon ein Prinz ausgeholt und es gab Kostüme. Wer dort mitfeiern wollte, musste für damalige Verhältnisse sehr viel bezahlen. Vor allem die Freunde der Mädchen, die dort wohnten, wurden besonders zur Kasse gebeten. Zum Fest gab es immer sehr viel Schnaps. Es begann schon um 16.00 Uhr und in früheren Jahren gab es um 18.00 Uhr ein Abendessen.
Später feierte man auch in anderen Nachbarschaften oder straßenweise Karneval. Dabei waren die Leute z. T. kostümiert. Die Dorfbevölkerung feierte in den Gaststätten, die Bauern auf der Tenne.

 


Bettage oder 40stündiges Gebet


Schließlich folgten die Bettage. Sie fanden genau zu Karneval, am Fastnachtssonntag, Rosenmontag und Rosendienstag statt. Diese Bettage wurden in der Kirche sehr wichtig genommen und die Priester wiesen ausdrücklich darauf hin, dass es eine schwere Sünde sei, nicht an den Bettagen teilzunehmen, sondern zum Karneval zu gehen.
An diesen drei Bettagen sollten die Gläubigen möglichst dreimal täglich zur Kirche gehen: um 6.00 Uhr die Messe, im Laufe des Tages die Betstunde und um 19.30 Uhr die tägliche Schlussandacht. Die eigentliche Betstunde fand dann jeweils gruppenweise statt: Frauen, Männer, Schulkinder etc. Viele Betstunden waren recht langweilig und man hörte Texte „höherer Theologie“. Besonders vor dem Krieg gab es noch Betstundenbücher, die vielen noch heute in schlechter Erinnerung sind. Später waren die Inhalte der Betstunden etwas interessanter. Während der Betstunden hielten immer einige Messdiener Wache. Sie mussten die ganze Zeit knien und waren froh, wenn einmal ein Lied gesungen wurde, so dass sie aufstehen konnten.  In einer Betstunde, der Vesper, wurde nur lateinisch gesungen.
Die feierliche Schlussandacht am dritten Tag um 19.00 Uhr war schließlich eine besondere Zeremonie und nicht zuletzt eine Demonstration der katholischen Kirche. Etwa 30 Messdiener und Engel – das waren Mädchen in weißen Kleidern und mit Blumensträußen – waren daran beteiligt. Es brannten überall Kerzen, es wurde viel Weihrauch verwendet und eine Prozession ging dreimal durch die Kirche. Währenddessen wurde gesungen: Dank und Ehre sei Dir, Herr Jesus, Gott und Erlöser …

 


Aschermittwoch


Am Aschermittwoch gab es in der Morgenmesse das Aschenkreuz. Es durfte im Laufe des Tages nicht abgewaschen werden.
Darüber hinaus ist Aschermittwoch seit eh und je Fast- und Abstinenztag, der früher strenger genommen wurde als Karfreitag. Man durfte nur einmal sattessen, oft gab es Kartoffeln mit Hering oder Struwen, aber alles ohne Speckfett. Einige Leute legten sich noch persönliche Opfer auf, z. B. rauchten sie nicht oder sie hörten kein Radio.

 

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Febraur / März
Wessumer Geschichten - Febraur / März
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Der Monat Januar

 

Neujahr

 

Am Neujahrstag wünschten sich alle ein glückseliges neues Jahr (Glück sei’s ’n Joahr),
als erstes gleich morgens nach der Messe und im Verlaufe des Tage dann überall, egal, wo man sich begegnete.
Man achtete darauf, dass man diesen Gruß als erster sagte – dann hatte man „gewonnen“.

Genau wie heute gingen auch schon früher am Neujahrstag die Kinder durch die Nachbarschaften und zu den
Verwandten, die im Dorf wohnten, um Neujahrsgrüße zu überbringen. Dabei gab es jedoch noch keine
großartigen Neujahrstüten, sondern es wurden Kleinigkeiten durch die Runde verteilt. Es gab Äpfel, Hörnchen oder anderes Gebäck, Nüsse und ganz selten schon einmal Karamellbonbons. Häufig wurden bereits eingesammelte Sachen, die man nach Hause gebracht hatte, wieder an andere verteilt.

Die Erwachsenen besuchten i. d. R. die nächsten Nachbarn. Es wurde jedoch noch kein Alkohol ausgeschenkt, sondern Kaffee und Kuchen oder eine Schinkenschnitte angeboten. Generell gab es früher nur sehr wenig Alkohol. War einmal der Anlass danach, wurde zunächst abgezählt und dann das Bier z. B. in Krügen aus der Gaststätte geholt.

Ganz bekannt waren auch die Neujahrsbriefe, die Schulkinder an ihre Eltern, Großeltern oder Paten verschickten. Diese Briefe waren gleichzeitig Dankesschreiben für die Weihnachtsgeschenke. Briefe an Paten wurden wiederum mit einem Geldgeschenk belohnt. In der Schule gab es Anleitungen, wie man diese Briefe verfasste.

 

Heilige Drei Könige

 

Das Fest der Heiligen Drei Könige am 6. Januar war zwar ein kirchlicher Feiertag, wurde jedoch nicht sonderlich streng genommen. Es wurden keine offiziellen Arbeiten verrichtet, sondern Heilige Drei Könige war eher ein Visitentag. Darüber hinaus wurde der Tag als Anlass für kleine Kinder genommen, die Krippe in der Kirche zu besuchen.

Diese Krippe war nur mit einem Kometen und den Heiligen Drei Königen geschmückt. Krippe und Weihnachtsschmuck blieben dort auch bis Maria Lichtmess (2. Februar) stehen, so lange war offiziell die Weihnachtszeit. Privat wurde der Weihnachtsbaum meistens direkt nach dem Fest der Heiligen Drei Könige abgebaut.
Sternsinger gab es früher noch nicht. Diese Tradition fand seinen Beginn um 1970 unter Pfarrer Scharmann.

 

Kokendage

 

Die Tage zwischen den Feiertagen bzw. die ersten Tage im neuen Jahr waren die so genannten „Kokendage“ für Knechte und Mägde. Bei den Bauern war diese Zeit i. d. R. recht ruhig und die Bediensteten bekamen drei Tage frei, um nach Hause zu fahren oder Verwandte zu besuchen. Am Benehmen der Bediensteten konnte man auch erkennen, ob sie zum „Koken“ gingen oder davon kamen. Bei diesen Kokendagen wechselten sich die Knechte und Mägde allerdings ab, damit es personell auf dem Hof nicht zu Engpässen kam. Teilweise wurden zu diesen Tagen auch Bedienstete ausgetauscht. Darüber hinaus gab es keinen Urlaub.

Visitentage

 

Wenn das Personal seine Kokendage beendet hatte, machten die Bauern ihre offiziellen Visitentage, um Verwandte zu besuchen. Man war unterwegs mit Gick, Kutsche (Unterschied nur in der Größe) oder im Landauer (offene Kutsche). (Gick hatte zwei Räder, Kutsche und Landauer 4 Räder.)
Schon zu Mittag traf man bei den Verwandten ein und nach dem Kaffee machte man sich wieder auf den Heimweg. Besonders reizvoll war es für Knechte oder ältere Kinder auf dem Hof die Pferde wieder einzuspannen, weil es dafür oft ein großzügiges Trinkgeld gab. Für die Zeit des Aufenthaltes standen die Pferde übrigens im Stall oder auf der Tenne.

Da die Wege oft lange dauerten, nahmen die Bauern in den Kutschen ein „Füerstöwweken“ (Unteroffizier) mit, um darauf die Füße abzustellen und sich zu wärmen Im Füerstöwweken  waren glühende Brikett, die gut angebrannt waren, damit kein Rauch entstand. Trotzdem entstand immer ein unangenehmer Geruch, wenn die langen Kleider angehoben wurden.

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Der Monat Januar
Wessumer Geschichten - Der Monat Januar
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